Sasa Kalajdzic und ein Tor, das Identität zurückgibt

Sport

Es gibt Momente im Sport, die weit über ein Tor oder einen Sieg hinausgehen. Für Sasa Kalajdzic war dieser Treffer in letzter Sekunde gegen Algerien nicht nur sportlich bedeutend – er war ein Moment, der eine Geschichte neu erzählt.

Lange wurde über ihn vor allem im Zusammenhang mit seinem Verletzungspech gesprochen. Drei Kreuzbandrisse, immer wieder Rückschläge, immer wieder die Frage, ob er überhaupt noch zurückkommen kann. Wer so etwas erlebt, wird irgendwann nicht mehr nur als Fußballer wahrgenommen, sondern als „der Spieler mit den vielen Verletzungen“. Genau das ist für Betroffene oft das Schwierigste: Die eigene Identität verschiebt sich. Aber man möchte nicht ständig an seinem überstandenen Leiden gemessen werden, sondern an den eigenen Leistungen.

Ich kann mich in diese Situation sehr gut hineinversetzen nach insgesamt acht Operationen an meinem rechten Knie. Nach schweren Verletzungen geht es längst nicht mehr nur um den Körper. Natürlich sieht jeder die Krücken, das Fitnessstudio und die Ausfallzeit. 

Was kaum jemand sieht, sind die Zweifel, die Einsamkeit und die vielen Stunden, in denen man allein trainiert, während die Mannschaft gemeinsam auf dem Platz steht. Man erlebt Rückschläge, muss Belastungen immer wieder anpassen und beginnt irgendwann, sich Fragen zu stellen, die weit über den Sport hinausgehen: Wer bin ich ohne Fußball? Was, wenn ich nie mehr zurückkomme?

Warum schon wieder?

Gerade bei mehreren schweren Langzeitverletzungen hintereinander werden diese Fragen immer lauter. Nach der ersten oder zweiten Verletzung hofft man noch auf eine Rückkehr. Nach der dritten oder vierten fragt man sich irgendwann: Warum schon wieder ich? Warum investiere ich noch mehr in Prävention und Rehabilitation, wenn es trotzdem wieder passiert?

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Was vielleicht viele unterschätzen: Solche Verletzungen verändern einen Menschen nachhaltig. Nicht nur körperlich, sondern auch mental. Wer monatelang allein in der Reha arbeitet, entwickelt oft einen anderen Blick auf den Sport und auf das Leben. Man lernt Geduld, Demut und Disziplin auf eine Weise, die man als gesunder Spieler kaum kennenlernen kann. Man weiß, wie sich Erfolg anfühlt – aber eben auch, wie es ist, wenn niemand zusieht, wenn der Alltag nur aus Physiotherapie, Krafttraining und kleinen Fortschritten besteht.

Fußballer, nicht Patient

Die Öffentlichkeit bekommt von diesem Prozess kaum etwas mit. Sie sieht den Jubel nach dem Tor. Sie sieht die Rückkehr auf den Platz. Was sie nicht sieht, sind die vielen Monate davor. Die Tränen zu Hause. Die Zweifel auf dem Sofa.

Vielleicht macht ja genau das den Moment für Kalajdzic so besonders. Ein Moment, der so viel mehr ist als ein wichtiges Tor. Nicht nur, weil er Österreich sportlich geholfen hat, sondern, weil er sich selbst etwas zurückgeholt hat: das Gefühl, wieder als Fußballer wahrgenommen zu werden – und nicht als Patient.

Die ehemalige ÖFB-Kapitänin und ORF-WM-Expertin Viktoria Schnaderbeck kommentiert an dieser Stelle während der Weltmeisterschaft das Geschehen auf und neben dem Platz.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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