Karim El-Gawhary spricht in Podcast über „turbulente Zeiten beim ORF“

Kultur

Es seien „ein paar schwere Momente“ für Karim El-Gawhary gewesen, als ein ORF-Techniker in den vergangenen Tagen das Korrespondentenstudio in Kairo abgebaut hat. Der Vertrag des langjährigen Nahost-Korrespondent wurde nach 22 Jahren nicht mehr verlängert – seit 1. Juli sei er „Post-ORF-Korrespondent“, wie er in der neuesten Folge seines Podcasts „Nahost. Nah Dran.“ sagte.

„Laute Schreier, die mich zu diskreditieren versuchten“

Warum seine Zeit beim ORF nun vorbei ist, „das müsst ihr den ORF fragen. Meine Idee war es nicht.“ Wegen seiner Gaza- und Libanon-Berichterstattung sei er in den vergangenen 32 Monaten „so manchem Shitstorm auf den sozialen Medien ausgesetzt“ gewesen. „Am Anfang hat mich das schwer getroffen, ich habe so manche schlaflose Nacht verbracht“, so El-Gawhary. „Es waren ein paar wenige, aber sehr laute Schreier, die mich zu diskreditieren und diffamieren versuchten.“ Dabei sei es darum gegangen, seine berufliche Karriere zu zerstören.

Über den Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis, die israelische Besetzung im Gaza-Streifen und im Westjordanland sowie die israelische Offensive im Libanon sollte „genauso kritisch berichtet werden wie über jeden anderen Konflikt dieser Welt“. Dazu gehöre es, „nicht kommentarlos die Verlautbarungen des israelischen Militärs zu vermelden, sondern nachzuhaken“. 

„Messen mit zweierlei Maß in der Berichterstattung“

Auf Berichte über Menschen in Gaza habe er „völlig andere“ Reaktionen als beispielsweise auf Berichte über Syrerinnen und Syrer. „Wenn ich über die Iraker berichtet habe, wie sie als Familie den Krieg und Kampf gegen den IS erlebt haben, dann habe ich dafür Journalistenpreise bekommen.“ Als er in derselben Weise über Palästinenser berichtet habe, sei er „in die Schusslinie der Propagandisten der israelischen Regierung und israelischen Armee in Österreich“ geraten. Durch Versuche, die Medien zu verunsichern, entstehe ein „Messen mit zweierlei Maß in der Berichterstattung“. „Das finde ich schwer erträglich.“

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„Es waren oft turbulente Zeiten beim ORF“, sagt El-Gawhary, der in der Folge auch brenzlige Situationen während seiner Tätigkeit als Korrespondent Revue passieren lässt. So sei 2017 im Irak auf das Auto geschossen worden, in dem er unterwegs war. In Bagdad sei er nur knapp einer Autobombe entkommen. „Es war ein Schutzengel, der mich durch diese Zeit getragen hat.“

Das öffentliche Echo auf das Ende seines Vertrags sei für ihn „unendlich viel mehr wert als jede Personalentscheidung eines Senders“, auch die Petition für seinen Verbleib mit mehr als 20.000 Unterschriften habe ihn „tief bewegt“. Für den ORF werde er weiterhin gelegentlich als freier Journalist Reportagen liefern. Anfang der Woche wurde die Stelle neu ausgeschrieben: Das Nahost-Büro des ORF wird sich künftig in Beirut befinden, die Stelle ist für zwei Jahre befristet.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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