Der Countdown für die Staatsholding ÖBAG läuft

Wirtschaft

Es geht um den wichtigsten Management-Job der Republik. Der Aufsichtsrat der 30 Milliarden Euro schweren Staatsholding ÖBAG, in der die wertvollsten Unternehmensbeteiligungen des Staates geparkt sind, startet die Ausschreibung für die Nachfolge von Alleinvorständin Edith Hlawati, 69. Sie geht Ende Jänner 2027 in Pension.

Die Bewerbungsfrist läuft bis 17. August, den Zuschlag als Personalberater erhielt der internationale Headhunter Boyden (Andreas Landgrebe). Aus der Ausschreibung lässt sich bereits viel über die neue, aktive Rolle der ÖBAG ablesen.

Die Holding wird weiterhin von einem Alleinvorstand geleitet. Der für die ÖBAG zuständige Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) hat offenbar den hartnäckigen Begehrlichkeiten der SPÖ, einen eigenen, zweiten Manager in die Führungsetage zu hieven, nicht nachgegeben. „Ein Doppelvorstand wäre der Inbegriff der Partei-Repolitisierung“, sagt Hattmannsdorfer dazu auf Anfrage des KURIER.

Nachdem die vormalige Wirtschaftsanwältin Hlawati die Staatsbeteiligungen nur verwaltete, wird jetzt ein Kandidat mit „industriebezogener Managementerfahrung“ gesucht. Gefragt sind nun „ausgeprägtes strategisches Denken und Handeln“, ein „hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit auf internationalem Niveau“, fundierte Erfahrung im Umgang mit komplexen Stakeholder-Strukturen sowie Kapitalmarkt- und Aufsichtsratserfahrung. Er oder sie sollte freilich Österreicher sein, ein internationaler Quereinsteiger ist wohl schwerlich vorstellbar.

Der Job wird herausfordernd. Hattmannsdorfer, der ein gutes Verhältnis zu Hlawati pflegt, betont, er habe sich parteipolitisch nie eingemischt, habe aber als verantwortlicher Eigentümervertreter der Republik sehr klare strategische Vorstellungen: „Es gilt, die standortpolitische Ausrichtung der ÖBAG und ihrer Beteiligungen sicherzustellen.“

Die Schwerpunkte finden sich in der Ausschreibung, Grundlage ist die Industriestrategie der Regierung. Kosteneffiziente Energieversorgung, der Ausbau der kritischen Infrastruktur sowie die Stärkung der Resilienz und der wirtschaftlichen Souveränität, beispielsweise bei Daten (Telekom).

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Hattmannsdorfer setzt große Hoffnungen in die neue OMV-Chefin, Gasexpertin Emma Delaney. Die OMV könne sich als führender Gasversorger in Kontinentaleuropa positionieren. Analog zum Schwarzmeer-Projekt Neptun Deep, dem derzeit größten Gasförderprojekt in Europa, könnte die OMV in Ost- und Südosteuropa weitere große Gasvorkommen erkunden. Und damit Abhängigkeiten reduzieren.

Die ÖBAG solle international auch als Türöffner für die heimische Wirtschaft fungieren sowie den Aufbau von Start-ups forcieren und wissenschaftliche Kooperationen fördern. Die Holding-Unternehmen seien in 38 Ländern präsent.

„Die gesuchte Führungspersönlichkeit soll auf der Grundlage der Industriestrategie der Regierung und der ÖBAG-Strategie sowohl aktives Beteiligungsmanagement sowie auch Initiativen für gezielte Zukunftsinvestitionen in die Stärkung des Wirtschaftsstandortes umsetzen“, skizziert ÖBAG-Aufsichtsratschef Günther Ofner. Der Kandidat habe „idealerweise“ Industrie-Erfahrung und solle vor allem den Umgang mit komplexen Stakeholder-Strukturen beherrschen. Das heißt, er muss mit der Politik und Interessensvetretungen umgehen können und sich nicht wie ein Elefant im Porzellanladen bewegen. Der Job des ÖBAG-Chefs hatte immer auch eine politische Komponente.

Gage

Stellt sich noch die Frage nach dem Gehalt des neuen CEOs. Anzunehmen, dass es in Spar-Zeiten wie diesen etwas weniger wird als für Hlawati. Sie kann sich noch über ein stolzes Jahres-Grundgehalt von 585.000 Euro freuen, plus 25 Prozent bei Zielerreichung.

Zwar kursieren seit geraumer Zeit etliche Namen, valide Kandidaten gibt es aber noch nicht. Der schon oft genannte Verbund-Chef Michael Strugl jedenfalls dementiert ÖBAG-Ambitionen gegenüber dem KURIER glaubwürdig.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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