
In Skandinavien sind Banknoten und Münzen fast aus dem Alltag verschwunden: Von Dänemark bis Finnland und weiter bis Estland geht die Nutzung von Bargeld seit Jahren zurück. In einer Umfrage der schwedischen Reichsbank gaben im vergangenen September nur fünf Prozent der Befragten an, ihren letzten Einkauf bar bezahlt zu haben.
Jetzt macht Stockholm die Rolle rückwärts. Künftig müssen Lebensmittelhändler und Apotheken in Schweden wieder Banknoten und Münzen akzeptieren. Ein neues Gesetz schreibt das vor. Auch in Norwegen feiert Bargeld ein kleines Comeback.
Hintergrund ist die Angst der Regierungen vor Internet-Sabotagen, Blackouts oder gar einem Angriff Russlands. Die schwedische Reichsbank empfiehlt: Alle Erwachsenen sollten immer 1.000 Kronen in bar (ca. 90 Euro) zu Hause haben. Im Krisenfall würde das reichen, um das Nötigste zu kaufen. Doch viele Schweden haben keine 1.000 Kronen mehr in bar daheim. Sie zahlen ausschließlich mit der Karte oder per Swish, einem rein schwedischen Onlinebezahlsystem.
„Durch die neue geopolitische Lage hat Bargeld wieder eine größere Bedeutung. Es geht dabei um Sicherheit, darum, dass es Bezahlmöglichkeiten gibt, die auch dann funktionieren, wenn beispielsweise das Internet oder die Stromversorgung ausfällt“, sagt Elin Ritola von der schwedischen Reichsbank.
Österreich begrüßt Gesetz
Das neue schwedische Bargeldgesetz kennt zwar zahlreiche Ausnahmen – beispielsweise für Supermärkte ohne von Menschen besetzte Kassen. Händler müssen außerdem nicht mehr als 25 Münzen annehmen, und es gibt noch keine klaren Sanktionen bei Verstößen.
In der Oesterreichischen Nationalbank freuen sich die Verantwortlichen dennoch über das Bargeld-Signal aus dem Norden. Es stärkt ihre Position im Kampf für das Bargeld und die Wahlmöglichkeit zwischen Barem und Plastikgeld.
Matthias Schroth, zuständiger Hauptabteilungsleiter in der OeNB, sagt zum KURIER: „Wir begrüßen es, dass skandinavische Länder wie Schweden oder Norwegen ihre bisherige Strategie überdacht haben und die Verwendung von Bargeld im Alltag ganz bewusst wieder stärken möchten. Bargeld soll als Zahlungsmittel im täglichen Zahlungsverkehr weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Entscheidend ist die Sicherstellung der Wahlfreiheit von Zahlungsmitteln – ob Barzahlung, Zahlung mit dem künftigen digitalen Euro oder einem anderen digitalen Zahlungsmittel.“
Offline-Lösungen
Neben der neuen Bargeld-Annahmepflicht in Schweden arbeiten die Skandinavier an Offline-Bezahlsystemen. Das sind Karten mit PIN-Codes, die als Backup auch dann funktionieren sollen, wenn Strom und Internet ausfallen. Die Wahrscheinlichkeit von Störungen habe zugenommen, da sich die geopolitische Lage geändert habe.
„Es gibt einen Krieg in Europa und im Umfeld des Krieges gibt es alle möglichen hybriden Einflussnahmen und Einschüchterungen, die die Unterbrechung von Internetverbindungen umfassen könnten“, sagt Tuomas Valimaki von der finnischen Notenbank.
Source:: Kurier.at – Politik



