
Für ihn erstaunlich, für die Mitglieder seiner Band aber nervtötend war das, was Jamie Cullum vor ein paar Jahren rund um seinen Auftritt auf der Donaubühne in Tulln erlebt hat: „Wir sind auf der Donau Wasserski gefahren“, erinnert er sich im KURIER-Interview. „Ich hatte das noch nie vorher gemacht, aber ich konnte es sofort – keine Ahnung warum. Meine Freunde dagegen stürzten immer wieder und sagten: ,Wieso kannst du das und wir nicht?‘“
Ob er Zeit zum Wasserskifahren hat, wenn er am 17. Juli wieder auf der Donaubühne Tulln zum KURIER-Konzert auftritt, kann Cullum noch nicht sagen. Er stellt gerade sein lange erwartetes zehntes Studioalbum fertig. Wie das Album heißt, darf er noch nicht verraten. Sehr wohl aber, dass er zwei Songs daraus in Tulln spielen wird. Der Rest der Show ist „eine Art Greatest-Hits-Programm, das bis zum Beginn zurückgeht, als ich in meinen 20ern war und das erste Mal in Österreich gespielt habe.“
Damals, 2003, wurde der heute 46-jährige Londoner mit dem Album „Twentysomething“, seinem Talent als Pianist und der charismatischen Stimme über Nacht zum Star, war danach viele Jahre permanent auf Tour. Mittlerweile tritt er leiser, arbeitet mehr zu Hause, schrieb zum Beispiel die Musik für die Royal-Shakespeare-Company-Produktion von Somerset Maughams Komödie „The Constant Wife“.
Stabilität
„Ich bin Vater von zwei Teenage-Töchtern“, erklärt er. „Ein Album zu schreiben und damit auf Tour zu gehen, braucht Monate und Jahre und entzieht mich zu lange dem Familienleben, das mir aber sehr wichtig ist.“
Um den Kindern Stabilität zu bieten, hat Cullum jetzt einen Fix-Job bei der BBC, moderiert die wöchentliche Radio-Sendung „The Jazz Show“, in der er den Hörern alles vermitteln will, was er am Jazz liebt. „Meine Faszination mit Jazz begann als Teenager. Sie war eng mit der Geschichte des Genres verwoben, mit den Erfahrungen der Afroamerikaner und diesen Synergien, wo so viele kulturelle Dinge zusammenfanden: afrikanische Rhythmen, die von armen Leuten kamen, die auf Sklavenschiffen nach Amerika gebracht worden waren. Sie mischten sich mit diesen bizarren europäischen Märschen und Walzern und kreolischen Einflüssen.“
All das interessierte ihn auch aufgrund der eigenen Familiengeschichte: „Mein Vater war Jude, der in Palästina geboren wurde, und meine Mutter ist indisch-burmesischer Abstammung. Als sie nach England kamen, fühlten sich beide wie Außenseiter. Dadurch waren sie besessen davon, wie Engländer zu leben und mir nichts von dem Gefühl zu vermitteln, Außenseiter zu sein. Ich habe mich erst später dafür interessiert, als ich die Einreisepapiere meiner jüdischen Großmutter sah und erfuhr, warum sie Depressionen hatte, wie viele Verwandte sie verloren hatte.“
Um sich sein Film- und Literaturstudium zu finanzieren, spielte Cullum in Hochzeitsbands und nahm 1999 für nur 480 Pfund sein erstes Album auf. „Wir hatten vier Stunden, um das Album aufzunehmen. Ich finde, man hört das. Aber ,Heard It All Before‘ wurde meine Visitenkarte, mit der ich schließlich einen Plattenvertrag bekam.“
Source:: Kurier.at – Kultur



