Neues Album „Confessions II“: Madonnas nostalgische Tanzparty

Kultur

Madonna hat es ja nicht leicht. Früher hat sie nur mit einer halb entblößten Pobacke wackeln müssen oder entweder Britney Spears oder einen schwarzen Jesus küssen, und sie hat sich schon der kollektiven Aufregung sicher sein können. Heute hat sich die Empörungsindustrie verschoben: Wenn sie nicht einen unkorrekten Witz macht, einen umstrittenen Tech-Milliardär ein- und wieder auslädt, für (oder gegen) Klimaanlagen oder für (oder gegen) wahlweise Sonnencreme oder Impfungen ist, macht sie in der Aufmerksamkeitskonkurrenz keine Meter mehr. Und so erzeugte das Video, das sie als Vorbote zu ihrem neuen Album präsentierte, in dem laszive Frauen mit Fetischmasken Laserstrahlen aus ihrem Schritt schossen, auch nur das ein oder andere müd-pubertäre „Hehe“. 

Nun gut. Da muss die 67-jährige Popikone eben mit ihrem neuen Album allein überzeugen. Tut sie das?

64 Minuten fix fertiger Clubabend

„Confessions II“ knüpft an „Confessions on a Dancefloor“ aus 2005 an, auch diesmal ist Stuart Price als Produzent dabei. Anders als beim Vorgänger fehlt dem neuen Album aber der ganz große Hit, der noch Jahrzehnte später ins Ohr geht, wie es „Hung Up“, das wahrscheinlich beste ABBA-Sampling bis dato, einer war. „Confessions II“ ist mit seinen 16 Songs dramaturgisch angelegt wie eine Clubnacht, es geht mit moderatem Beat zum Aufwärmen los, steigert sich zur schwitzigen Angelegenheit mit beschleunigten Takten und kühlt sich dann in eine Ruhephase mit leiseren Tönen ab, alle Songs gehen ineinander über wie bei einem DJ-Set, 64 Minuten lang.

Die ersten drei Dance-Nummern laufen auf dem pochenden Beat, der gut zu Zeitlupenvideos aus der Disco passt. In „I feel free“ wird das noch mit anzüglichem Stöhnen ergänzt, in „Good for the Soul“ kriegt Madonna einen Hall auf die Stimme, dass jeder leere Raum neidisch wird, in „One Step Away“ blubbert es dahin, wenn sie entrückt summt.

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Erinnerung an Karrierestart

Achtung, aufgewacht heißt es dann beim Duett mit Sabrina Carpenter, die in „Bring your Love“ ihre beste verführerische Hauchstimme anschlägt, Madonna antwortet abgeklärt wie die zwei Generationen ältere Wahltante, die schon ein paar Mal zu oft im Swingerclub war.

Fast wie früher klingt Madonnas auch auf diesem Album gern mal verfremdete Stimme auf „Danceteria“, eine flotte Erinnerung an den Club in New York, in dem sie ihre ersten Schritte in Richtung Popstar machen konnte. Dementsprechend ist das Lied neben der Beschreibung des kultigen Treibens dort auch eine hübsche Konglomeration an Zitaten früherer Hits wie „Everybody“ oder der berühmten „Vogue“-Aufzählung, diesmal mit Künstlern, die in der „Danceteria“ verkehrten. 

Das erste Mal ein richtiges Instrument ist in „Read my Lips“ zu hören. Der Gitarre soll dann später noch einmal ein Klavier (in „My Sins are my Savior“ mit Stromae) folgen – es dominiert hier die Synthetik-Knopferl-Musik. In dieser latinoesken Nummer wird sie unterstützt vom kolumbianischen Reggaeton-Sänger Feid. Man versucht sich hier sehr stark den Gedanken zu verkneifen, dass Madonna vor wenigen Jahren noch den „echten“ Bad Bunny zur Kooperation gehabt. Aber es klappt nicht so gut.

Schwitzphase

Mit „Everything“ startet die Schwitzphase dieses Turbo-Tanztees, hier sieht man förmlich die Lasershow im schnellen Takt flackern. „Love Sensation“ bringt „Good Vibration“ mit einem Chor, der nicht erst nach der …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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