Valerie Pachner verliebt sich in einen ägyptischen Pianisten: „The Stories“

Kultur

Es gab Zeiten, da lernten sich Menschen nicht auf Dating-Plattformen kennen, sondern bahnten Beziehungen über Brieffreundschaften an. Die Eltern des ägyptisch-österreichischen Filmemachers Abu Bakr Shawky kamen sich in den Siebzigerjahren per Luftpost zwischen Wien und Kairo näher – und wurden ein Paar. Shawkys sympathische Tragikomödie „The Stories“ sollte eine Hommage an ihre Liebesgeschichte werden, wuchs sich aber zu einem prall mit Anekdoten gefüllten Familienporträt vor politischem Hintergrund aus.

„Wo ist Österreich?“ wollen die Brüder von Ahmed wissen, als er erstmals Post von seiner neuen Brieffreundin „Liz“ aus Wien erhält. Und: „Ist sie eine Spionin?“

Nein, Liz ist keine Spionin, sondern eine von Valerie Pachner hingebungsvoll gespielte junge Frau, die sich schnell in Ahmed verliebt. Ahmed möchte Pianist werden und bewirbt sich um ein Stipendium nach Wien. Als er dort aufkreuzt, ist der Vater von Liz – mit misstrauischer Miene gespielt von Johannes Krisch – alles andere als happy. Ein Fisch und ein Vogel könnten sich zwar ineinander verlieben, aber niemals zusammenleben, so sein Stehsatz.

Schauplatz Wohnzimmer

Die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen den Welten bietet nur einen äußeren Erzählrahmen, den Abu Bakr Shawky mit vielen kleinen Details – den titelgebenden „Stories“ – aus dem ägyptischen Familienleben ausmalt. Hauptschauplatz ist das Wohnzimmer, wo sich eine Gruppe von Männern – darunter Ahmeds Vater, Onkel und Brüder – meist heftig vor dem Fernseher streiten, während die überforderte Mutter fluchend in der Küche gegen den kaputten Herd tritt.

Beginnend 1967, rekapituliert der Regisseur über einen Zeitraum von rund zwanzig Jahren in nostalgischen Brauntönen ägyptische Politik-, Sport- und Privatgeschichte. Das TV-Archivmaterial zeigt den Rücktritt von Nasser oder die Ermordung von Sadat ebenso wie glücklose Fußballspiele mit einer meist verlierenden ägyptischen Mannschaft. Nationalistische Parolen aus dem Fernseher werden vom Kriegslärm mit Israel abgelöst und bilden den konstanten Soundhintergrund.

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Die lautstark geführten familiären Auseinandersetzungen bekommen manchmal den etwas klamaukhaften Tonfall einer schrillen Sitcom, finden aber trotz ihres Getöses immer wieder zu emotionalem Tiefgang – besiegelt durch eine unverbrüchliche österreichisch-ägyptische Liebesgeschichte.

INFO: Ö/F/BL/SWE/EGY 2025. Von Abu Bakr Shawky. Mit Amir El-Masry, Valerie Pachner, Johannes Krisch.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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