
Die heimischen Handwerksbetriebe stecken in der Krise fest. Zwar zeige die Geschäftslage im zweiten Quartal teils positive Tendenzen, aber in Summe keine „dynamische Entwicklung“, so die Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung. „Die wirtschaftliche Lage hat sich leider kaum verbessert“, sagt Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Vor allem die Krise im Iran und rund um die wichtige Handelsroute, die Straße von Hormus, wirke dämpfend. Ohne diese hätten das Gewerbe und das Handwerk in Österreich „eine positive Entwicklung“, ist sich Denk sicher.
Dass die Sparte nicht vom Fleck kommt, bestätigt auch Christina Enichlmair, Expertin bei der KMU Forschung. Der Auftragsbestand lag mit einem Rückgang um 0,2 Prozent im zweiten Quartal 2026 ungefähr auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Einige investitionsgüternahe Branchen verzeichneten im zweiten Quartal 2026 ein Plus bei den Aufträgen, etwa die Hafner, Platten- und Fliesenleger (plus 10,1 Prozent) oder das Baugewerbe (plus acht Prozent).
Kunststoffverarbeiter büßen wegen internationaler Unsicherheiten Aufträge ein
Die meisten Auftragsrückgänge gab es bei den Kunststoffverarbeitern mit minus 15,3 Prozent. Diese würden stark exportorientiert arbeiten und seien deswegen abhängig von internationalen Entwicklungen und funktionierenden Lieferketten, begründet Enichlmair das Minus. Auch das Bauhilfsgewerbe und der Holzbau mussten deutliche Rückgänge bei der Auftragslage einstecken. Der Trend gehe seit einiger Zeit weg von großen Neubauprojekten hin zu Wartungen und Sanierungen, weswegen Aufträge oft kleiner und kurzfristiger seien.
Bei den konsumnahen Branchen meldeten die Fahrzeugtechnik, die Friseure und die Mechatroniker eine Verbesserung zum Vorjahr. Umsatzmäßig weniger gut schnitten etwa die Fußpfleger, Kosmetiker und das Kunsthandwerk ab. „Besonders in den konsumnahen Branchen spüren wir die Kaufkraftzurückhaltung der Haushalte, während im Baubereich nach wie vor die notwendige Investitionsdynamik fehlt“, fasst Enichlmair zusammen. Die Erwartungen für das dritte Quartal 2026 gestalten sich ebenso pessimistisch. Nur 16 Prozent der Betriebe erwarten sich eine Steigerung im Vergleich zum dritten Quartal 2025, 57 Prozent rechnen mit keiner Veränderung und 27 Prozent mit Rückgängen.
Denk: Müssen Abhängigkeiten reduzieren und Lehrausbildung fördern
„Vor allem am Bau, unserer wichtigsten Konjunkturlokomotive, spüren wir die Zurückhaltung am deutlichsten“, sagte WKÖ-Obmann Denk. Er will sich nicht darauf verlassen, dass die Krisen ein baldiges Ende finden werden. Österreich und Europa müssten sich „selbst den Weg aus der Stagnation bahnen“. Hierfür müsse man Abhängigkeiten reduzieren und Bürokratie – etwa bei der Baubewilligung – abbauen.
Außerdem müsse die Lehrlingsausbildung staatlich entsprechend unterstützt werden. Im Doppelbudget sind für die Lehrlingsförderung wie bisher jährlich 280 Millionen Euro vorgesehen. Für den Spartenobmann nur ein kleiner Erfolg: Nicht nur seien die Lehrlingsgehälter in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, die Betriebe bekommen die volle Förderung auch künftig nur noch für einen einzelnen Lehrling. Wer mehrere junge Menschen ausbildet, erhält für jeden weiteren Lehrling nur einen Teil der Förderung. Von dieser Kürzung der Förderung sei rund die Hälfte der Ausbildungsbetriebe betroffen, beklagt Denk. Vor allem Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) wirft er vor, sie würde „die Lehre schlecht reden“.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



