
Im bosnisch-herzegowinischen Dorf Nezuk, etwa 140 Kilometer von der Hauptstadt Sarajevo entfernt, hat am Mittwoch der dreitägige Friedensmarsch Richtung Srebrenica begonnen. Die Strecke führt durch Wälder und Bergland und endet in der nahe gelegenen Gedenkstätte Potočari.
Symbolisch folgen heuer mehr als 6.300 Menschen am 31. Gedenktag von Srebrenica der rund 100 Kilometer langen Route, auf der muslimische Einwohner der Stadt im Juli 1995 vor den bosnisch-serbischen Militäreinheiten Zuflucht zu finden versuchten. Der Friedensmarsch findet inzwischen zum 22. Mal statt. Sowohl Einheimische als auch Teilnehmer aus dem Ausland versammeln sich, um der Opfer zu gedenken.
Die Veranstalter betonen, dass heuer besonders viele Jugendliche und Schüler teilnehmen. Zahlreiche Schulgruppen haben sich aus Sarajevo ebenfalls auf den Weg Richtung Srebrenica gemacht. „Zählt man die Teilnehmer des Motorradmarathons, des Quadmarathons und anderer Marathonläufe hinzu, rechnen wir damit, dass am Nachmittag des 10. Juli mehr als 9.000 Menschen nach Potočari kommen werden“, erklärt Suljo Čakanović, einer der Organisatoren, gegenüber dem bosnischen Onlineportal klix.ba.
Die Teilnehmer des Friedensmarsches werden am Donnerstagnachmittag im Gedenkzentrum Potočari erwartet. Am Samstag findet die Trauerfeier mit der anschließenden Beisetzung der zehn identifizierten Opfer des Völkermordes statt. Die Opfer waren zwischen 20 und 56 Jahre alt. Unter ihnen befinden sich drei Männer, die zum Zeitpunkt ihres Todes erst in ihren Zwanzigern waren.
Vergangenen Samstag, dem 5. Juli, nahmen rund 900 Menschen an einem Friedensmarsch vom Christian-Broda-Platz zum Heldenplatz in Wien teil. Im Anschluss wurde bei einer Kundgebung am Heldenplatz ebenso der Opfer des Genozids von Srebrenica gedacht.
Was ist in Srebrenica passiert?
Vor Beginn des Bosnienkrieges im Jahr 1992 hatte die Kleinstadt rund 8.000 Einwohner. Im Laufe des Konflikts vervielfachte sich diese Zahl, da Zehntausende Menschen aus den umliegenden Dörfern nach Srebrenica flohen.
Die Vereinten Nationen hatten das Gebiet zur UNO-Sicherheitszone erklärt. Niederländische und kanadische Truppen sollten der Bevölkerung Schutz gewähren. Der politische Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadžić, und sein Militärchef Ratko Mladić nahmen die Stadt am 11. Juli 1995 mit bosnisch-serbischen Einheiten ein.
Was folgte, waren die schlimmsten Verbrechen auf europäischem Boden seit dem Zweiten Weltkrieg. Innerhalb weniger Tage wurden rund 8.000 Menschen, überwiegend Männer und Buben mit muslimischen Namen, ermordet.
Warum dauert die Identifikation der Leichen so lange?
Auch 31 Jahre später fehlt von rund 1.000 Opfern des Srebrenica-Genozids nach wie vor jede Spur. Laut Berichten wurden bei nur rund zehn Prozent der bisher gefundenen Opfer vollständige sterbliche Überreste entdeckt.
Die Leichenteile der Opfer sollen in mehr als 300 Massengräbern liegen. Viele dieser Gräber wurden später wieder geöffnet, um die sterblichen Überreste an anderen Orten erneut zu vergraben. Dadurch wurden zahlreiche Körper auseinandergerissen. Manche Körperteile blieben zurück, andere wurden an unterschiedlichen Orten verscharrt. Bis heute wird nach Vermissten gesucht.
Source:: Kurier.at – Politik



