Staud’s-Chefs: „Marillen im Osten Österreichs sind teilweise eingeschrumpelt“

Wirtschaft

Hinter Österreichs Marmeladeproduzenten liegen schwere Jahrzehnte. Seit 1995 war es ihnen verboten, Marmelade zur Marmelade zu sagen – außer zu ganz bestimmten Zitrusfruchtmischungen. Der Grund? Mit dem EU-Beitritt wollte sich Österreich gewisse Austriazismen sichern. Bei 23 Begriffen – von den Erdäpfeln über die Eierschwammerln bis zu den Paradeisern – ist das gelungen, bei der Marmelade nicht. Die Briten beanspruchten den Begriff für ihre Variante des Fruchtaufstrichs für sich, sehr zum Unmut vieler Österreicher. Denn Marillenkonfitüre sagt man hierzulande nur ungern. Doch jetzt ist der Konflikt beigelegt. Mit der Umsetzung der EU-Frühstücksrichtlinie darf die Marmelade endlich wieder Marmelade heißen. Die Staud’s-Geschäftsführer Stefan Schauer und Jürgen Hagenauer ließen sich das nicht zweimal sagen.

KURIER: Der Marmeladekonflikt ist vorüber. Wie sehr freut Sie das?

Stefan Schauer: Wir sind ja schon seit jeher die Marmeladinger aus Ottakring. In den 70er-Jahren hatten wir Großmutters Marillenmarmelade, die dann zur Linie Oma Staud wurde. Die haben wir jetzt wieder frisch umetikettiert. Von der Marillenkonfitüre fein passiert auf Marillenmarmelade fein passiert. Und alle sind glücklich.

Wie schnell waren Sie damit?

Schauer: An Tag eins, nachdem die Verordnung in Kraft getreten ist (14. Juni, Anm.).

Gab es dazu Rückmeldungen von den Kunden?

Schauer: Ich glaube, es wurde medial höher gespielt, als es für Konsumentinnen und Konsumenten wichtig ist. Aber es ist schön, dass dieses Produkt so emotional ist.

In einem Interview sagten Sie, dass die Marillenmarmelade mittlerweile ein Luxusgut ist. Inwiefern? 

Schauer: Das ist sicher auf die Preisthematik angesprochen – wie viel darf ein Glas Marmelade kosten? Wir sind alle so preisgetrieben, dass es nichts kosten darf. Aber das ist genau der falsche Ansatz. Lebensmittel sind wertvolle Güter. Wenn wir in Österreich weiterhin einen hochwertigen Anbau, eine Urproduktion haben wollen, eine Verarbeitung mit Sozial- und Umweltstandards, dann müssen Produkte auch einen gewissen Preis haben dürfen. Sonst müssen wir in einem Billiglohnland unter anderen Voraussetzungen produzieren. Aber wir tragen ja auch eine Verantwortung für Mitarbeiter und für Bäuerinnen und Bauern am Feld.

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Wie steht es um die Versorgungssicherheit bei Obst und Gemüse in Österreich? 

Jürgen Hagenauer: Wir schaffen es schon, mehr als die Hälfte der Rohprodukte aus Österreich zu beziehen. Das ist eine große Leistung, aber auch eine große Herausforderung, die Landwirte zu motivieren, diese Urproduktion so aufrechtzuhalten.

Im Juni wurde die 40-Grad-Marke bei Temperaturen geknackt, eine Hitzewelle folgt der nächsten. Was bedeutet das für die Ernte? 

Hagenauer: Diese extremen Temperaturen sind für Urproduzenten natürlich die größte Herausforderung, wenn es darum geht, die Bestände am Leben zu erhalten. Wir wissen alle, wie wichtig die Ressource Wasser ist. Aber der Aufwand, den man dafür betreiben muss, ist noch sehr unterbewertet. Auch die Ernteprozesse sind erschwert – bei solchen Temperaturen hat es am Feld 50 Grad. Die Situation Ende Juni war hart an der Grenze.

Schauer: Aber es wird scheinbar zur Realität, daher wirklich höchsten Respekt an die Bäuerinnen und Bauern, die Früchte anbauen und kultivieren. Das ist die große Herausforderung der Zukunft, wie wir damit umgehen können. Die Bewässerung muss gewährleistet werden, ansonsten wird es schwierig.

Was melden Ihnen die Landwirte und Landwirtinnen zurück, wie sie mit Wetterkapriolen wie diesen umgehen? 

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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