Hotel-Lehrlinge in Österreich sind zufriedener als der Rest des Landes

Wirtschaft

Wer über Arbeit in der Hotellerie spricht, landet schnell bei Personalmangel, hohem Druck und familienfeindlichen Dienstzeiten. Umso überraschender fällt das Ergebnis einer neuen Befragung unter österreichischen Hotel-Lehrlingen aus: Sie bewerten ihre Zufriedenheit im Schnitt mit der Note 2,3 – und damit besser als die Beschäftigten in Österreich insgesamt. Deren Zufriedenheit liegt laut den Vergleichsdaten bei 2,7. Bewertet wurde auf einer Skala von 1 bis 6, wobei 1 für die beste Note steht. „Wären alle Beschäftigten in Österreich so zufrieden wie die Lehrlinge der Hotellerie, wäre das Arbeitsleben schöner“, sagt Markus Gratzer, Generalsekretär der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV), die die Befragung auch in Auftrag gegeben hat.

Spaß an der Arbeit – trotz schwieriger Arbeitszeiten

Besonders wichtig ist den befragten Jugendlichen, dass ihnen ihre Arbeit Spaß macht. Genau dieser Wunsch werde in vielen Betrieben offenbar erfüllt. Gute Noten gibt es außerdem für die Hilfsbereitschaft im Team, die Erreichbarkeit von Ansprechpartnern und klare Erwartungen. Auch die Nähe zu Vorgesetzten und abwechslungsreiche Tätigkeiten werden positiv bewertet. Besonders gut schneiden kleinere und mittlere Betriebe ab. Flache Hierarchien und schnell erreichbare Ansprechpersonen dürften dort ein Vorteil sein. Unter den einzelnen Lehrberufen sind angehende Hotelkaufleute am zufriedensten. Dahinter folgen Lehrlinge im Hotel- und Restaurantfach.

ÖHV als Interessenvertretung, Stichprobe und Aussagekraft

Ganz so makellos, wie es die Hotelvereinigung gerne darstellen würde, ist das Bild allerdings nicht. Kritik gibt es vor allem an den Dienstzeiten und an der Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit. Verbesserungspotenzial sehen die Lehrlinge zudem beim Arbeitsklima, bei der Offenheit innerhalb der Betriebe und bei der Frage, welchen Stellenwert sie im Unternehmen tatsächlich haben. Gratzer kündigt an, die Ergebnisse laufend an die Branche weiterzugeben und an konkreten Verbesserungen zu arbeiten. Gerade bei den kritischen Punkten müsse man „besser werden“.

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Die Befragung wurde vom Marktforschungsunternehmen EUCUSA durchgeführt. Teilgenommen haben 7,9 Prozent aller Hotel-Lehrlinge im Land. Das ist eine durchaus relevante Stichprobe. Dennoch ist bei der Interpretation Vorsicht angebracht: Befragt wurden nach Angaben der ÖHV Lehrlinge aus der österreichischen Qualitätshotellerie. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf jeden Gastronomie- oder Beherbergungsbetrieb übertragen. Hinzu kommt, dass die Studie von der Interessenvertretung der Branche beauftragt wurde. Das macht die Ergebnisse nicht automatisch falsch, sollte bei einer besonders positiven Darstellung aber mitbedacht werden.

Manche arbeiten dort offenbar ziemlich gern

Fest steht dennoch: Das verbreitete Bild vom durchgehend frustrierten Hotelnachwuchs trifft offenbar nicht zu. Zumindest ein beachtlicher Teil der Lehrlinge erlebt die Arbeit positiver, als man angesichts des Rufs der Branche vermuten würde. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Überraschung: Nicht alle jungen Menschen wollen so schnell wie möglich raus aus der Hotellerie. Manche arbeiten dort offenbar sogar ziemlich gern.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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