Wiederentdeckter Exilroman „Zugvögel“: Wofür es zu kämpfen lohnt

Kultur

Dieses Buch, 1943 auf Englisch erschienen, ist beklemmend zeitgemäß, und das nicht nur aus den naheliegenden Gründen. Iwan Heilbut schrieb ein Plädoyer für die geistige und körperliche Freiheit, eine Liebeserklärung an die Vergangenheit und an die Zukunft.

Und das in einer Zeit, in der all das infrage stand.

Edvard und Rahel, die zentralen, semi-autobiografischen Figuren, die titelgebenden „Zugvögel“, sind aus Deutschland nach Paris geflüchtet. Und erleben ab 1939 nun dort, wie allein die düstere Bedrohung durch den nahenden deutschen Einmarsch schon vorab den Geist, das Mitgefühl und das Menschliche verdunkelt.

Ratschlag des Ungeborenen

Die beiden erwarten ein Kind, und Edvard lässt sich anfangs von dessen fiktiven Hinweisen leiten: Nein, er geht, wie das Kind aus dem Bauch heraus rät, nicht in das Lager, in dem die Franzosen Fremde einsperren, er kämpft darum, bei der Geburt dabei zu sein. Auch wenn die Nachbarn die beiden zu verraten versuchen. Danach aber muss er, und in „Le Macabre“, wie das Lager ausgerechnet heißt, erlebt er die große Menschheit im Kleinen: Mitläufer, Verräter, Kranke und Sterbende, aber auch Fürsorge und ein Beharren auf dem Geistigen angesichts dessen Entwertung.

Ungeist

Denn neben der körperlichen Unversehrtheit stand – und steht heute längst wieder – auch das Kulturwesen Mensch auf dem Spiel, wenn der Ungeist hochschwappt. „Wir kämpfen für Goethe, für Schiller, für Heine, für Moses, Mohammed und Christus, für viele unterschlagene Werte“, ruft er einmal. Ein hellsichtiges, im Stil etwas zeitverhaftetes, im Exil geschriebenes Buch über Liebe, Flucht, Lebenslust und all den Schrecken. 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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