
Osnabrück, die viertgrößte Stadt im deutschen Niedersachsen, beherbergt ein von der Schließung akut bedrohtes VW-Werk. Spätestens im Sommer 2027 endet hier die Produktion, noch laufen Porsche-Modelle und die letzten T-Roc Cabrios vom Band, doch bald ist Schluss. Das Land Niedersachsen will den Standort erhalten und kämpft um eine tragfähige Nachnutzung.
Es geht nicht nur um die Zukunft von 2.300 Arbeitsplätzen. Es geht auch um die Lösungskompetenz der rot-grünen Landesregierung in Hannover und damit die Zukunft von SPD-Ministerpräsident Olaf Lies. Niedersachsen ist mit 20 Prozent zweitgrößter Aktionär bei Volkswagen, Lies sitzt im Aufsichtsrat des strauchelnden Autoriesens.
Eine recht naheliegende Idee in Zeiten der europäischen Aufrüstung lautet: Wir verwandeln das Autowerk mit relativ geringem Aufwand in eine Fabrik für Rüstungsgüter. Doch der Weg dahin ist steiniger als gedacht – und mitunter politisch brisant.
Schon Mitte März hat Rheinmetall, größter deutscher Panzer- und Munitionsfabrikant, als bis dahin wichtigster Interessent abgewunken. Ursprünglich wollte Rheinmetall das Werk übernehmen und in Osnabrück sechsrädrige Radpanzer bauen. Rheinmetall-Chef Armin Pappberger präferiert jetzt aber einen anderen Standort. Nach Medienberichten liefen zuletzt auch Gespräche mit dem deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS – ebenso erfolglos.
Da kommt nun der israelische Rüstungskonzern Rafael ins Spiel. Die Israelis produzieren Teile für das Raketenabwehrsystem „Iron Dome“, mit dem Raketen aus dem Iran oder der Hisbollah aus dem Libanon abgefangen werden. Die Absichtserklärungen sind bereits unterschrieben. Rafael könnte Osnabrück nutzen, um Fahrzeuge zu bauen, die die „Kampftechnik transportieren können“.
Dazu würde VW ein Gemeinschaftsunternehmen mit Rafael gründen und die in Osnabrück künftig gefertigten Militärfahrzeuge würden auch Bestandteil der europäischen Flugabwehr werden, schreibt die deutsche Wirtschaftswoche. In Deutschland würden keine Teile für Israels Iron Dome produziert.
Dennoch ist Katar, mit 17 Prozent nach Porsche und Niedersachsen drittgrößter VW-Aktionär, zu viel Israel drin. Katar mit drei Mitgliedern sehr prominent im VW-Aufsichtsrat vertreten, hat sein Veto eingelegt und blockiert damit den Deal mit Rafael. Das berichteten zuerst die deutsche Bild und das Handelsblatt.
Hintergrund ist der Nahost-Konflikt. Seit dem Gaza-Krieg gibt es Spannungen zwischen Doha und Jerusalem. Katar gilt seit Jahren als einer der wichtigsten finanziellen Unterstützer der Hamas. Israel hat im Vorjahr mit gezielten Luftschlägen hochrangige Hamas-Funktionäre in Katar getötet. Das Emirat spielte aber eine Doppelrolle, da es auch als Vermittler zwischen der Terrororganisation und Israel auftrat.
Möglicherweise ist das katarische Veto bei VW auch ein Revanche-Foul für ein aktuelles Veto aus Jerusalem. Bei der geplanten Milliarden-Übernahme des israelischen Transportunternehmens Zim mit Sitz in Haifa durch die deutsche Großreederei Hapag-Lloyd, an der Katar und Saudi Arabien zusammen mehr als 20 Prozent halten, gibt es Widerstand aus Israel. Premier Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz haben sich laut Medienberichten gegen den Deal ausgesprochen.
Zim ist die zehntgrößte Containerreederei weltweit, Hapag-Lloyd die Nummer fünf.
Source:: Kurier.at – Politik



