Tatort Liegestuhl: Krimis für den Urlaub

Kultur

Liebende Mutter, eiskalte Killerin

Mutter zweier Töchter, erfolgreiche Geschäftsfrau einerseits, Auftragskillerin andererseits. Jeder dieser Lebensentwürfe wäre für sich genommen eine Herausforderung. Doch Olivia vereint das alles. Sie ist die Protagonistin in „Das kleine Handbuch einer Vorstadt-Killerin“. Olivia arbeitete für ein Verbrechersyndikat, kehrte ihm den Rücken, gründete Familie und Firma. Dann geschieht eine Katastrophe, und sie sieht sich gezwungen, ihr mörderisches Wissen einzusetzen. 
Der australische Autor Mark Mupotsa-Russel ließ aus dem Kontrast liebende Mutter, eiskalte Killerin einen  tiefschwarzen, mitunter komischen Krimi entstehen. An dem Tag, an dem Olivia ihren vermeintlich letzten Mord beging, lernte sie ihren späteren Mann kennen. „Es steckt eine Ironie darin, dass ich am selben Tag das Leben zweier Männer beendet habe.“
Der Roman ist temporeich erzählt. Die Übersetzung des Slangs in bundesdeutschen Gaunersprech bremst den Lesefluss allerdings ein. (Katharina Salzer)

Verbrechen, Strafe – und danach die Rache

Nein, es wird hier keine Trennungsgeschichte erzählt, auch wenn es anfangs so aussieht. Birdie packt eines Morgens ihre Sachen, schreibt dem Mann einen Abschiedsbrief – und fährt los. Aber sie geht auf eine bittere Mission: Der Mann, der wegen des Todes ihrer Schwester im Gefängnis saß, kommt frei. Birdie hat eine Pistole, die nur auf diesen Tag gewartet hat. 
Emma Stonex erzählt in Folge eine Geschichte davon, wie knetbar Schuld ist. Wie unsicher, unscharf selbst die heißeste Emotion sein kann. Und wie es für alle Beteiligten ist, nach einem Verbrechen weiterzuleben. 
Nicht nur die von Trauer verhärmte Birdie wird begleitet, auch Jimmy. Er ist der Täter. Und wird nun Opfer einer Jagd. Erneut Opfer, muss man sagen – folgt man seiner Innensicht.  Was genau ist damals eigentlich passiert? Dieser Frage nähert sich das Buch, oftmals mit viel Zeit, über den Umweg von Charakterstudien. Und wie das so ist mit den Menschen: Nichts ist so klar, wie es scheint. (Georg Leyrer)

  „Die letzten Tage“: Das absolut Böse in der Idylle von Reichenau

Im Labyrinth der Erinnerung

Anna hat ihren Freund ermordet. Dann verschwindet sie spurlos. Zwei Jahre später taucht sie ohne Erinnerung auf. Im Krankenhaus hilft ihr  die behandelnde Ärztin bei der Flucht. Aber warum macht sie das?
Federico Axats „Der Tag, an dem ich sterbe“ beginnt wie ein Psychothriller à la Sebastian Fitzek, aber ohne Grauslichkeiten. Doch dann taucht ein Känguru auf und es wird wild. Zeit- und Realitätsebenen verschieben sich, Erinnerungen werden brüchig. Vergleiche mit Christopher Nolans Filmen „Memento“ oder „Tenet“ sowie Martin Scorseses „Shutter Island“ drängen sich auf. Und Fragen: Wie verlässlich ist Annas Wahrnehmung? Was ist Vergangenheit? Was Zukunft? Die New York Times bezeichnete Axat als „einen der besten Thrillerautoren der Welt“. Ganz einlösen kann „Der Tag, an dem ich sterbe“ diese Hymne  nicht. Der Autor wollte wohl zu viel. Aber man bleibt dran, weil man wissen will, wie sich das Rätsel am Ende auflöst. Ein solides Urlaubsbuch ist es allemal. (Daniel Voglhuber)

Experiment eines Krimi-Kollektivs

Der Detection Club hatte einige prominente Mitglieder, nicht zuletzt  Agatha Christie. 1930 wurde diese Vereinigung von Krimischriftstellerinnen und -schriftstellern gegründet. Sie alle  verband ein gemeinsames Regelwerk: Man verpflichtete sich etwa, auf übernatürliche Lösungen oder krasse Zufälle zu verzichten und dem Leser alle Indizien, die es zur Lösung des Falls braucht, zu liefern.
1931  entstand eine …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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