
„Als Hauptgrund für die Schieflage nennt das Unternehmen einen ausgebliebenen Folgeauftrag eines Großkunden. Zudem habe die geplante Vertriebsstrategie mit dem türkischen Mehrheitsgesellschafter Redon Teknoloji (77,59 Prozent Anteil) nicht schnell genug umgesetzt werden können. Geopolitische Spannungen – konkret die Auswirkungen des Ukraine- und Iran-Kriegs – hätten den Hauptgesellschafter zusätzlich belastet“, heißt es. „Verschärft wurde die Lage durch massive Lieferengpässe bei Elektronikkomponenten. Die sogenannte Chip-Krise und Engpässe bei DLP-Bauteilen (Digital Light Processing) hätten die Fertigstellung der 3D-Drucker verzögert. Zudem hätten mehrere Kunden ihre Bestellungen auf das dritte Quartal 2026 verschoben.“
Die W2P Engineering GmbH mit Sitz in Wien-Ottakring hat laut Creditreform beim Handelsgericht Wien ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Das 2016 gegründete Unternehmen entwickelt und produziert professionelle 3D-Desktop-Drucker, die vor allem in der Dentalmedizin, für Hörgeräte sowie in der Schmuckindustrie eingesetzt werden. Zehn Mitarbeiter sind von der Insolvenz betroffen. Die Löhne und Gehälter wurden laut Insolvenzantrag bis einschließlich Mai 2025 bezahlt. Einen Betriebsrat gibt es nicht.
Patente und Know-how
Das Unternehmen verfügt über vier Patente im Bereich 3D-Drucktechnologie sowie mehrere eingetragene Marken- und Designrechte. Die sogenannten SolFlex-Drucker arbeiten mit einem Stereolithographie-Verfahren, bei dem flüssige Kunststoffe schichtweise durch Lichtaushärtung zu dreidimensionalen Objekten geformt werden.
Nach Unternehmensangaben wurde in den vergangenen neun Monaten intensiv an neuen Drucker-Generationen gearbeitet. Ein kleineres Modell für Zahnarztpraxen (SF165) befinde sich bereits in der Testphase, ein größeres Gerät für Dentallabore (4K) in der Konstruktion. Die entsprechenden IP-Rechte liegen bei W2P Engineering.
Schulden und Vermögen
Nach Angaben der Schuldnervertretung Abel Rechtsanwälte belaufen sich die Verbindlichkeiten auf rund 810.000 Euro. Die Aktiva bestehen vor allem aus Rechten, Lizenzen, technischen Anlagen und Maschinen sowie aus einem Lagerbestand.
Fortbetrieb geplant
Die Geschäftsführer Simon Gruber und Mark Laws streben den Fortbetrieb an. Dazu sollen neue Aufträge über die Vertriebskanäle des türkischen Hauptgesellschafters akquiriert werden. Voraussetzung sei allerdings eine Fortführungskaution, deren Höhe noch nicht feststeht.
In enger Abstimmung mit dem noch zu bestellenden Insolvenzverwalter werde auch eine teilweise Verwertung von Vermögenswerten sowie die Ansprache strategischer Partner geprüft. Zur kurzfristigen Liquiditätssicherung könnten Teilbereichsschließungen erfolgen.
Die Sanierung
Den Gläubigern wird eine Sanierungsquote von 20 Prozent angeboten, die aus dem Fortbetrieb erwirtschaftet werden soll.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



