Ist keine Frau gut genug? Protest wegen Mangel an Regisseurinnen in Venedig

Kultur

Sechs italienische Filmverbände haben die Auswahl für den Wettbewerb der 83. Internationalen Filmfestspiele von Venedig kritisiert. Anlass ist die Tatsache, dass unter den 20 Wettbewerbsfilmen, die vom 2. bis 12. September gezeigt werden, nur eine einzige Regisseurin vertreten ist und zwar die dänisch-ägyptische Filmemacherin May el-Toukhy mit ihrem zweiten Spielfilm „Woman Unknown“.

Die italienischen Verbände 100autori, Anac, Air3, Doc/it, Ewa sowie Women in Film Television & Media Italia veröffentlichten eine gemeinsame Stellungnahme, in der sie kritisierten, dass im vergangenen Jahr noch sechs Regisseurinnen im Wettbewerb vertreten waren. Festivaldirektor Alberto Barbera hatte bei der Vorstellung des Programms am vergangenen Donnerstag erklärt, man selbst sei über dieses Ergebnis überrascht gewesen. Er habe „verzweifelt gehofft“, Filme von Regisseurinnen zu finden, die qualitativ für den Wettbewerb geeignet seien.

Filmverbände stellen Begriff der „Qualität“ infrage

Gerade den Begriff der Qualität stellen die italienischen Filmverbände infrage. Qualität sei keine „neutrale und objektive Kategorie“, sondern ein Konzept, das sich verändere und weiterentwickle. Kunst sei kein von gesellschaftlichen Einflüssen losgelöster Raum, sondern geprägt von Machtverhältnissen, Erfahrungen und unterschiedlichen Perspektiven.

„Jede Auswahl ist das Ergebnis bestimmter Sichtweisen, kultureller Prägungen, Vorlieben, Empfindlichkeiten, Grenzen und redaktioneller Entscheidungen“, heißt es in der Erklärung. Wenn Jahr für Jahr ein derart unausgewogenes Ergebnis entstehe, könne man nicht einfach feststellen, dass Regisseurinnen nicht gut genug seien. Vielmehr müsse hinterfragt werden, ob die Kriterien, mit denen Filme bewertet würden, noch der Gegenwart entsprächen.

Abkommen „50/50 by 2020“

Die Verbände erinnerten daran, dass auch die Filmfestspiele von Venedig 2018 das internationale Abkommen „50/50 by 2020“ unterzeichnet hatten, das mehr Transparenz bei Auswahlverfahren sowie eine ausgewogenere Vertretung von Frauen und unterschiedlichen Gruppen in Entscheidungsprozessen fördern sollte. Seit dieser Vereinbarung seien inzwischen acht Jahre vergangen.

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Zum Abschluss ihrer Erklärung wünschen die sechs Verbände allen Filmschaffenden Erfolg und betonten, dass das Kino Männer und Frauen gleichermaßen brauche. Sie richteten jedoch eine Frage an Auswahlkommissionen, Kritiker, Produzenten und Verleiher: „Wann wird man erkennen, dass auch die Perspektiven von Frauen unverzichtbar sind?“, hieß es.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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