
Es gibt Rennstrecken, auf denen die Pole Position eine Formalität vor dem eigentlichen Sieg ist, und es gibt den Hungaroring. Seit Hamiltons Erfolg 2022 hatte hier niemand mehr von Startplatz eins aus gewonnen, Jahr für Jahr verpuffte die schnellste Samstagsrunde, ehe am Sonntag über 70 Runden ganz andere Gesetze galten.
Lando Norris kümmerte das wenig. Der Brite fuhr souverän zu seinem zwölften Karrieresieg, dem ersten überhaupt an einem Ort, an dem er zuvor schon einmal triumphiert hatte, und zementierte gleichzeitig Rangordnung der letzten Jahre: Nach den McLaren-Doppelsiegen 2024 und 2025 blieb Budapest auch 2026 ein sicherer Hafen für Papaya-Orange.
Der eigentliche Krimi spielte sich freilich nicht an der Spitze, sondern eine Position dahinter ab. Teamkollege Oscar Piastri hatte sich bereits in Kurve zwei an Norris vorbeigeschoben und die Führung übernommen, während vorne bei Ferrari der Start missriet und Charles Leclerc früh ins Hintertreffen geriet. Auch Max Verstappen musste schon in Runde sechs Frust über Funk absetzen, Probleme mit den Stoßdämpfern sollten sein ganzes Rennen begleiten, ohne dass er am Ende daran zerbrach: Der Niederländer hielt beide Ferrari hinter sich und wurde am Ende hervorragender Zweiter.
Overcut dank Zusammenstoß
Die eigentliche Weichenstellung fiel in der Strategie. Während sich das Feld auf zwei Boxenstopps einstellte, wagte WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli als einziger Topfahrer den Alleingang mit nur einem Reifenwechsel, was McLaren zwang, mit hohem Tempo zu reagieren, damit der Plan des Italieners nicht aufging. Piastri bog als Erster an die Box ab, in Runde 33, auf harte Reifen. Norris dagegen blieb draußen, überzeugt, im freien Verkehr das schnellere Auto zu haben, und versuchte den Overcut: länger fahren, um den Boxenstopp-Zeitverlust durch bessere Pace wettzumachen.
Der Plan ging auf, mit etwas Nachhilfe: In Runde 39 bremste eine Kollision zwischen Piastri und Carlos Sainz beim Überrunden den Führenden zusätzlich aus. Als Norris schließlich in Runde 40 selbst an die Box kam, reichte der Vorsprung, um noch vor seinem Teamkollegen wieder auf die Strecke zu kommen. Piastri ließ über Funk keinen Zweifel an seinem Unmut aufkommen, ehe ihn in Runde 56 ein Getriebeschaden endgültig aus dem Rennen nahm und die Diskussion damit von selbst erledigte.
Auch für Lewis Hamilton verlief der Nachmittag zunehmend unglücklich. Unter einer virtuellen Safety-Car-Phase entschied sich Ferrari für einen Boxenstopp, während Verstappen draußen blieb und dadurch prompt an Hamilton vorbeirückte. Auch Antonelli kam bei der Boxausfahrt vor dem Briten heraus.
Ruhe vor dem Ziel
In den letzten Runden passierte nichts mehr, das am Ergebnis noch etwas geändert hätte. Norris gewann vor Verstappen und Antonelli, Hamilton musste sich mit Rang vier begnügen, dahinter Leclerc. Für den WM-Spitzenreiter bedeutet das dennoch keinen Rückschlag, im Gegenteil: Weil Hamilton hinter ihm landete, baute Antonelli seine Führung sogar aus, mit Kurs auf ein mögliches erstes italienisches Championat seit Alberto Ascari 1953.
Sollte es tatsächlich dazu kommen, wird ausgerechnet Imola als möglicher Schauplatz des Saisonfinales gehandelt, jenes Rennen, das die Formel 1 als Ersatz für die politisch heikel gewordenen Läufe in Katar und Abu Dhabi ins Auge gefasst hat. Ein Heimspiel für den 19-Jährigen, der zur Sommerpause als Titelkandidat einer Saison abreist, in der andere gerade genug …read more
Source:: Kurier.at – Sport



