
Clélia hat in einem Bereich der Messehallen von Bordeaux, die zu einem Aufnahmezentrum umfunktioniert wurden, ein möglichst gemütliches Lager für ihre vier Kinder und sich selbst eingerichtet. „Wir drei Größeren haben unsere Betten so aufgestellt, dass die Jüngeren etwas abgeschirmt sind“, erklärt die Touristin. Überstürzt mussten sie vor mehreren Tagen ihre Ferienwohnung in der Gemeinde Eysine an der französischen Atlantikküste verlassen, die aufgrund der Großbrände in der Region teilweise evakuiert wurde. „Die Feldbetten sind bequem und ich habe meinen Kindern versichert, dass wir zusammenbleiben, was auch passiert“, sagt Clélia gegenüber französischen Medien. „Es gibt etwas zu essen und zu trinken, für uns wird gut gesorgt.“ Eine Dame aus der Gegend habe nun angeboten, sie alle fünf bei sich aufzunehmen.
Seit nunmehr einer Woche wütet das Feuer in Südwestfrankreich und hat dort bereits mindestens 42.000 Hektar zerstört – ein trauriger Rekord. Über 220.000 Menschen mussten ihre Häuser, Campingplätze, Ferienanlagen oder Seniorenwohnheime in mehreren Gemeinden vor allem auf der Seezunge Cap Ferret, teils aber auch im Speckgürtel von Bordeaux verlassen. Am Dienstag wurden die Campingplätze im Küstenort Lacanau vorsichtshalber geräumt.
„Die nächsten Wochen werden noch schwer werden“
Die zuständige Präfektin der Departements Gironde und Nouvelle-Aquitaine, Sophie Brocas, hat angekündigt, dass eine Rückkehr erst möglich sei, wenn die Brände unter Kontrolle gebracht worden sind. Am Dienstag galten sie vorerst als stabilisiert. Doch durch den Wind aus Südosten und den erwarteten neuerlichen Anstieg der Temperaturen könnte sich die Situation wieder anspannen, hieß es. Präsident Emmanuel Macron reiste am Montagabend nach Bordeaux und rief die Betroffenen dazu auf, geeint zu bleiben. „Die nächsten Wochen werden noch schwer werden“, kündigte er an. Der Kampf gegen die Flammen müsse weitergehen.
Im Messegelände von Bordeaux ist man bereits auf eine längere Versorgung der Gestrandeten eingestellt. In einer der weitläufigen Hallen reihen sich Feldbetten und Matratzen aneinander. In einer anderen sitzen Menschen an Tischen, auf denen Snacks und Getränke stehen. Sie reden, spielen Karten. Ein Mann klimpert auf seiner Gitarre. Viele setzen FFP2-Masken auf, sobald sie nach draußen gehen. Denn die Luft ist rauchig, von giftigem Ruß belastet.
Bis zu 6000 Menschen fanden hier zeitweise Zuflucht. Inzwischen ist ihre Zahl wieder stark zurückgegangen. Rund 500 Einwohner der Region meldeten sich laut dem Bürgermeister von Bordeaux, Thomas Cazenave, mit dem Angebot, Personen zu beherbergen. Andere Gestrandete fanden Unterschlupf bei Freunden oder Verwandten. Auch wurden derzeit ungenutzte Zimmer in Studentenwohnheimen oder Internaten zur Verfügung gestellt. Die Bewohner von Altenpflegeheimen verteilte man überwiegend auf andere Einrichtungen in ganz Frankreich. Cazenave lobte den „Elan der Solidarität“, den die beispiellose Krise ausgelöst habe.
„Wäre froh, wenn man mich einfach zum Lächeln bringt“
Das rund 200-köpfige Team vom Zivilschutz wird verstärkt von Soldaten und rund 300 freiwilligen Helfern, darunter ausgebildeten Krankenschwestern und -pflegern. Aber auch Vereine oder Privatpersonen, die helfen wollen, haben sich gemeldet. Die einen verteilen Getränke und Essen, andere gehen durch die Reihen und erkundigen sich, ob alles in Ordnung ist. Eine von ihnen ist die Musikerin Anne Lefeu. „Wenn ich mich in der Lage dieser Menschen befinden würde, wäre ich froh, wenn man mich einfach zum Lächeln bringt, gar nicht …read more
Source:: Kurier.at – Politik



