Trotz Master kein Job: Das bittere Erwachen junger Akademiker

Wirtschaft

Ernüchtert. So beschreiben junge Menschen, die der KURIER befragt hat, ihre Stimmung gegenüber dem Arbeitsmarkt. Und das quer durch die Bank – egal, ob erwerbstätig, arbeitslos, in Ausbildung, mit akademischem Titel oder Lehrabschluss. Der Tenor: Einen Job zu finden, sei nahezu unmöglich, selbst gute Qualifikationen reichten nicht mehr aus.

Besonders unter den einst so krisensicheren Akademikern wächst die Verunsicherung. Die Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe ist gegenüber dem Vorjahr um 15,4 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Bei Personen mit Pflichtschulabschluss beträgt das Plus 1,1 Prozent, bei Personen mit Lehrabschluss 3,6 Prozent.

Jahrelang galt ein Studium als Nonplusultra – und jetzt?

Redundante Akademiker

„Ein Titel bringt nix mehr“, erzählt ein junger Mann dem KURIER. Er entschied sich zunächst für ein Wirtschaftsstudium (machte auch den Master), nur um danach in gähnende Leere zu starren. „Akademiker braucht keiner mehr.“ Deswegen entschied er sich für eine Lehre. Heute arbeitet er in einem Job, in dem er „das Beste aus zwei Welten hat“: Praxis und Theorie. Was genau er macht, will er nicht verraten.

Mit seiner trüben Einschätzung ist er jedoch nicht allein. Auch aus anderen Gesprächen mit jungen Menschen lässt sich ähnlicher Frust heraushören. „Ich finde, dass Titel ihre Bedeutung verloren haben“, sagt eine junge Frau, die ihr Studium abgebrochen und sich stattdessen für eine Ausbildung im Sozialbereich entschieden hat. „Bekannte mit Masterabschluss mussten mehr als 50 Bewerbungen aussenden, bevor sie etwas in ihrem Bereich gefunden haben.“

Besonders deutlich zeigt sich der Frust aber bei jenen, die dem gut gemeinten Rat gefolgt sind und sich für Studienrichtungen entschieden haben, deren Absolventen als besonders gefragt galten. Etwa Informatik oder andere MINT-Fächer. „Oft heißt es, wer ein Orchideenfach wählt, muss sich über schlechte Jobchancen nicht wundern“, sagt eine weitere junge Frau, die sich für einen naturwissenschaftlichen Bereich entschieden hat. Als sie fertig war, fand sie kaum Stellen. „Viele hängen dann einen PhD an, weil sie keinen Job finden – und weiterzustudieren ist besser, als nichts zu tun.“ Sie selbst wechselte schließlich die Branche.

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Genau dieses Bild bewegte Ausbildungsexperte Mario Derntl dazu, einen Kommentar mit dem provokanten Titel „Haben wir uns kaputtstudiert?“ zu verfassen (der KURIER berichtete).

Am Bedarf vorbei studiert

„Wir haben ein falsches Narrativ erzählt: Wenn du in Österreich erfolgreich sein willst, geh studieren. Dann bekommst du eine Führungsposition und ein gutes Gehalt“, sagt Derntl. Das stimme längst nicht mehr. Personen mit Bachelorabschluss würden häufig keinen adäquaten Job finden, während Unternehmen händeringend nach Fachkräften suchen.

Das zeigt auch das aktuelle Fachkräfteradar des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich. Trotz der schwierigen Konjunktur sind rund 78 Prozent der Unternehmen vom Fachkräftemangel betroffen. Österreichweit fehlen demnach rund 155.000 Fachkräfte (mehr dazu hier). „Wir produzieren am Markt vorbei“, sagt Derntl.

Dem pflichten auch Stimmen aus der Wirtschaft bei. David Machanek, Geschäftsführer des Automatisierungsunternehmens Pilz, berichtete diese Woche bei einer Podiumsrunde, dass er nur wenige Techniker finde, obwohl sie in seiner Branche derzeit stark gefragt seien. Gleichzeitig seien für eine Marketingposition in seinem Unternehmen rund 300 Bewerbungen eingegangen.

Den akademischen Titel deshalb in die Tonne zu werfen, sei laut Arbeitsmarktexperten Lukas Lehner jedoch nicht der …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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