Präsidenten-Wahlkampf wird zu massiver Schlammschlacht

Politik

Gewählt wird erst im Oktober, doch schon zwei Monate vor den Präsidentschaftswahlen in Brasilien sorgen die beiden aussichtsreichsten Kandidaten im Umgang miteinander für einen neuen Tiefpunkt. Wegen seiner Nähe zu US-Präsident Donald Trump, der Brasilien gerade mit Strafzöllen „wegen Zwangsarbeit“ belegt hat, nennt der linksgerichtete Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva (80) seinen rechten Herausforderer Flavio Bolsonaro (45) einen „Vaterlandsverräter“. Der Sohn des inhaftierten Ex-Präsident Jair Bolsonaro dagegen betitelt Lula da Silva wegen dessen politischer Nähe zur „chinesischen Diktatur“ einen „Stiefellecker“ Pekings. Damit ist der Ton für die kommenden beiden Monate gesetzt – und auch die geopolitische Bedeutung dieses Urnengangs umschrieben.

Als wäre der raue Umgangston innerhalb Brasiliens nicht genug, gibt es auch aus dem Ausland verbale Breitseiten. In Argentinien attackiert der libertäre Präsident Javier Milei nun Lula da Silva mit Blick auf dessen bisher zwar nicht belegte, allerdings auch nicht entkräftete Verstrickung in den Jahrhundert-Korruptionsskandal um die Konzerne Petrobras/Odebrecht: „Er ist ein korrupter Dieb, er ist nicht unschuldig.“ Lula da Silva wiederum beleidigte das Nachbarland Paraguay mit der verwegenen Behauptung über eine paraguayische Invasion. Asuncion verlangt nun eine Entschuldigung und bestellte den brasilianischen Botschafter ein. Ganz unwichtig ist das nicht, alle drei Länder sind Mitglieder im südamerikanischen Handelsbündnis Mercosur, das Lula da Silva nun enger an China anbinden will.

Die Ausgangslage vor dem Wahlkampf ist klar: Die Umfragen sehen Lula da Silva vorne. Seins potenziell aussichtsreichster Rivale Jair Bolsonaro sitzt wegen eines mutmaßlichen Putschversuchs im Gefängnis und darf weder Besuche empfangen noch sich öffentlich äußern. Dass das Bolsonaro-Lager den mit argen gesundheitlichen Problemen kämpfenden Ex-Präsidenten nun per Künstlicher Intelligenz generiertem Video zum Wahlvolk sprechen lässt, ist eine Entwicklung, die spannende Fragen aufwirft: Wird Kuba bald Fidel Castro per KI wieder reden lassen oder die Peronisten in Argentinien Evita Peron? Der Auftakt zu einer neuen Ära des Wahlkampfes hat jedenfalls schon begonnen.

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Bolsonaro-Clan ist zerstritten

Intern ist der Bolsonaro-Clan zerstritten. Ehefrau Michelle Bolsonaro liebäugelte mit einer Kandidatur, ihr Mann Jair entschied sich allerdings für den Erstgeborenen, Flavio. Es folgten heftige Attacken untereinander. Zudem überschatten Korruptionsvorwürfe im Rahmen einer Bolsonaro-Doku das rechte Lager.

Eigentlich eine Steilvorlage für den Präsidenten Lula da Silva, würde da nicht im eigenen Haus nächste Zeitbombe ticken. Präsidentensohn Fábio Luís Lula da Silva – genannt Lulinha – ist selbst Gegenstand von Korruptionsermittlungen. Er soll tief in die Kasse des Nationalen Institut für Sozialversicherung (INSS) gegriffen haben. Die Vorwürfe kommen zur Unzeit. Lula da Silva versucht die Sache kleinzureden: „Lulinha lebt in Spanien und muss sich nicht äußern.“

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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