„Hello Dolly!“: Suffragetten auf Schloss Haindorf

Kultur

30 Jahre lang galt Langenlois im Kamptal in der heißen Jahreszeit als Garant für gediegene Operettenpflege. Das ist jetzt anders. Intendant Christoph Wagner-Trenkwitz hat heuer das Genre gewechselt und zeigt ab sofort auch Musicals. Doch keine Panik! Freunde der Operette müssen nicht um eine der letzten Bastionen dieses Genres bangen. Erstens, weil bereits im nächsten Jahr mit Ralph Benatzkys „Das weiße Rössl“ fortgesetzt wird, und zweitens, weil mit Jerry Hermanns Klassiker „Hello Dolly!“ demonstriert wird, dass auch ein Musical nicht mit seichter Musik die Massen zum Johlen bringen muss. Das Gegenteil ist der Fall.

Regisseur Florian Hurler bringt mit ansprechenden Choreografien so etwas wie Broadway-Nostalgie vor die ansehnliche Kulisse von Schloss Haindorf. Gespielt wird in historisierenden Kostümen. Die Geschichte der Heiratsvermittlerin Dolly Gallagher Levi, die sich selbst mit dem „Halbmillionär“ Horace Vandergelder verkuppelt, führt in das New York des 19. Jahrhunderts. Suffragetten marschieren auf, am Ende zeigen die Damen den Herren, worauf es im Leben ankommt.

Die Texte werden auf Deutsch gesprochen, die Hits auf Englisch gesungen. Das funktioniert glänzend. Cornelia Horak agiert und singt mit Intensität und verkörpert überzeugend, was Vandergelder im Stück eine „anstrengende Frau“ nennt. Den zeigt Christoph Wagner-Trenkwitz, der im wirklichen Leben mit Horak verheiratet ist, als grantelnden, geizigen Geschäftsmann.

Exzellent sind die anderen Rollen besetzt. Allen voran Loes Cools. Die belgische Sopranistin hat eine echte Operettenstimme. Mit vokaler und darstellerischer Präsenz ragt sie als Hutmacherin Irene Molloy heraus. Paul Valentin Clementi zeigt Vandergelders Gehilfen als pfiffigen Kerl und lässt mit seinen Songs aufhorchen. Jakob Riegler ergänzt famos als Barnaby Tucker. Kerstin Grotrian setzt sich als Ernestina Money in Szene, Erwin Belakowitsch ist als Kellner Rudolph charmant. Dirigent Lorenz C. Aichner sorgt mit dem Strauss Festival Orchester für nuancierten Drive.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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