
Ein weiterer Pauenschlag im ORF nach der Absetzung des ORF-III-Chefs Peter Schöber: ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer sieht sich mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wien konfrontiert. Die geht dem Anfangsverdacht der schweren Nötigung nach. Das bestätigte eine Staatsanwältin der Kronen Zeitung. Das Strafausmaß für das Delikt liegt bei bis zu fünf Jahren Haft. Für Lederer gilt die Unschuldsvermutung.
Es war ein Gespräch im Frühjahr 2025, das offenbar nachhaltig Eindruck hinterlassen hat – auch in Form von Aktenvermerken des damaligen Generaldirektors Roland Weißmann und eines Mitarbeiters, der bei einem Teil des Gespräches dabei war. Diese sind nun Auslöser der Ermittlungen.
In dem Gespräch sei es unter anderem um wirtschaftliche Fragen, Personalwünsche u. a. zu einem Chefredakteur und Beauftragungen innerhalb der Filmwirtschaft gegangen. Dort fühlten sich manche vom ORF unter Weißmann kurz gehalten und wandten sich an Lederer. Der wiederum konfrontierte Weißmann mit Forderungen und soll dabei laut Krone „in Mafia-Manier“ gebrüllt haben: „Das war’s dann mit dem General“.
„Ich bin in dieser Causa noch nicht einmal einvernommen worden“, sagte Lederer zum KURIER. „Ich vertraue darauf, dass diese Ermittlungen die Vorwürfe in Luft auflösen werden und sehe dem insgesamt gelassen entgegen.“
Es gehöre zu den Pflichten eines jeden Aufsichtsrats, die Handlungen der Direktoren und der Alleingeschäftsführung zu hinterfragen und sich über strategische, budgetäre und personelle Fragestellungen auszutauschen. Lederer: „Das ist auch hier geschehen und das passiert auch immer wieder im Gremium. Andernfalls stellt sich die Haftungsfrage.“ Lederer betont: „Als einzelner unter den unabhängigen 35 Stiftungsräten kann ich gar nichts bewegen, wenn nicht andere übereinstimmen. Auch von da her sind die Vorwürfe absurd.“
Über Inhalte, wann und wo er mit dem Generaldirektor gesprochen habe, will Lederer keine Auskunft geben: „Hier bitte ich um Verständnis, das fällt in die Verschwiegenheitspflicht von Aufsichtsräten. Klar ist jedenfalls, operative Entscheidungen fallen in die Verantwortung der Geschäftsführung.“
Für den Stiftungsratsvorsitzenden steht der Zeitpunkt dieser Geschichte für sich: „Weißmann versucht hier einfach, kurz vor dem Start seines Arbeitsgerichtsprozesses, seine Position zu verbessern und scheut nicht davor zurück, andere anzupatzen. Eine Aktion des Generaldirektors außer Dienst aus der Not heraus.“ Am Dienstag startet das erste Verfahren vor dem Arbeits- und Sozialgericht Wien. Damit bekämpft Weißmann die Kündigung durch seine Nachfolgerin Ingrid Thurnher nach mehr als 32 Jahren im ORF.
Weißmann war im März nach Vorwürfen einer Mitarbeiterin zurückgetreten. Lederer war als Stiftungsratsvorsitzender an der Ablöse beteiligt. Die Umstände des Rücktritts sowie deren viel kritisierte Kommunikation beschäftigen ebenfalls Staatsanwälte und Gerichte. Unter anderem wird gegen die ORF-Mitarbeiterin und ihren Anwalt wegen des Verdachts der schweren Erpressung sowie des Vergehens des Missbrauchs von Tonaufnahmen und Abhörgeräten ermittelt. Es gilt auch hier die Unschuldsvermutung.
Source:: Kurier.at – Kultur



