
Venezuela ist nach dem verheerenden Doppelerdbeben Ende Juni mit mehr als 6.000 Toten dabei, Geld für den Wiederaufbau zu organisieren. Das völlig verarmte Land mit einer Jahresinflation von geschätzten 570 Prozent steht vor einer kaum zu bewältigenden Aufgabe.
Erst Mitte Juli hat die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodriguez Geld aus einem Guthaben beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington abgerufen. Am 24. Juni hatten zwei Beben der Stärke 7,2 und 7,5 das südamerikanische Land erschüttert. Die nun abgerufenen 346 Millionen Dollar vom IWF stellen angesichts der Schäden im Land einen durchaus überschaubaren Betrag dar.
Wesentlich lohnender scheint da schon der Versuch, jene 31 Tonnen Gold, die als Barren in den Tresorräumen der Bank von England in London lagern, endlich zurück nach Venezuela zu holen.
Frühere Öl-Supermacht
Nach aktuellem Stand (13. August) hat der venezolanische Goldschatz einen Wert von rund 3,8 Milliarden Euro. Das Gold stellt nach gleich lautenden Medienberichten das wohl letzte größere Vermögen aus Venezuelas Tagen als Öl-Supermacht dar. Nach den Jahren unter der Regierung von Langzeitherrscher Nicoals Maduro ist das Land und seine großteils verstaatlichte Industrie völlig heruntergewirtschaftet. Der seit 2017 zahlungsunfähige Staat ist im Ausland mit rund 170 Milliarden US-Dollar verschuldet, die jährliche Wirtschaftsleistung wird auf 110 Milliarden geschätzt.
Jorge Rodriguez, Präsident der Nationalversammlung und Bruder von Delcy Rodriguez, sagte am Mittwoch laut Handelsblatt, die Regierung wolle sich jetzt auf den Wiederaufbau von Häusern, die Gesundheitsversorgung und die Stromversorgung konzentrieren. Zu diesem Zweck „sollten die Bemühungen darauf konzentriert werden, die Rückführung der internationalen Vermögenswerte Venezuelas bei der Bank of England voranzutreiben.“
Das Problem: London weigert sich bis dato, das Gold Venezuelas herauszugeben. Die Goldreserven sind Gegenstand eines bereits jahrelangen Rechtsstreits vor britischen Gerichten und wurde trotz Maduros Festnahme durch die USA im Januar und eines Antrags von Delcy Rodríguez an König Charles nicht freigegeben.
Das hängt mit der „one voice doctrine“ zusammen. Das juristische Prinzip bedeutet, dass Gerichte bei der Frage der Anerkennung eines Staatsoberhauptes oder einer Regierung „mit einer Stimme“ mit der britischen Regierung sprechen müssen.
Die britische Zentralbank hatte die Legitimität der Regierung von Maduro nicht anerkannt. Seine ehemalige Stellvertreterin, Frau Rodriguez, führt nun die Amtsgeschäfte. In den USA gilt sie mittlerweile als legitime Regierungschefin, in London ist dieser formale Anerkennungsschritt laut BBC noch nicht erfolgt. Daher rückt die Bank von England das Gold weiterhin nicht heraus.
Maduro war im Jänner von US-Spezialkräften entführt worden und wird in den USA wegen „Drogenterrorismus“ angeklagt. Auch der sozialistische Langzeitherrscher forderte seinerzeit schon das Gold aus England zurück und wollte damit die Folgen der Corona-Pandemie lindern. Doch Maduro war von den USA, der EU und UK nicht als Staatschef anerkannt, sondern nach offensichtlich gefälschten Wahlen der damalige Interimspräsident Juan Guaido. Aber beide, Maduro und Guaido, hatten jeweils einen anderen Chef bei der Zentralbank von Venezuela ernannt. Daher weigerte sich London weiterhin, das Gold herauszugeben. Guaido lebt mittlerweile in den USA.
Österreich kann so etwas wie Venezuela nach Einschätzung von Experten der Oesterreichischen Nationalbank nicht passieren. Die Wiener Regierung ist international anerkannt. Einen offiziellen Regierungsantrag auf Herausgabe der Goldreserve müsste London daher uneingeschränkt entsprechen. Von den 280 Tonnen an Goldreserven Österreichs …read more
Source:: Kurier.at – Politik



