Langzeitarbeitslosigkeit: Drastischer Anstieg vor der Pension

Wirtschaft

Die Arbeitslosigkeit im Alter verfestigt sich immer mehr, zeigt eine Auswertung von arbeit plus, dem Netzwerk der Sozialen Unternehmen Österreichs. Demnach sind aktuell 55,5 Prozent der arbeitslosen Menschen zwischen 60 und 64 Jahren langzeitbeschäftigungslos, also länger als ein Jahr lang beim AMS als Geschäftsfall registriert sind. Bei den Menschen ab 50 sind es 46,2 Prozent.  

Konkret waren Ende August in Österreich 311.448 Menschen arbeitslos gemeldet, 105.169 davon langzeitbeschäftigungslos – eine Steigerung von 12,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anstieg fällt mit dem Alter stärker aus: zwischen 60 und 64 Jahren wuchs die Zahl um 23,8 Prozent. Die Arbeitslosenquote bei den 50- bis 54-Jährigen liegt aktuell bei 6,9 Prozent,  bei den 60- bis 64-Jährigen bei 10,8 Prozent.

Je näher die Pension, desto stärker die Verfestigung

„Das Pensionsantrittsalter steigt, aber die Beschäftigungschancen ab 50 steigen nicht mit. Wer heute mit 55 seinen Arbeitsplatz verliert, hat vor sich zehn Jahre bis zur Pension und hinter sich einen Arbeitsmarkt, der ihn nicht mehr will“, kommentiert Sabine Rehbichler, Geschäftsführerin von arbeit plus, die Zahlen. Das WIFO erwartet, dass die Arbeitslosigkeit bis 2030 vor allem in der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen weiter zunehmen wird.

Nur jeder vierte Betrieb beschäftigt Personen über 60 Jahren

Nur 25 Prozent der etwa 238.000 österreichischen Unternehmen beschäftigen zumindest eine Person ab 60 Jahren. Bei Beschäftigten ab 55 Jahren sind es 47 Prozent. „Es fehlt nicht an Menschen, die arbeiten wollen. Es fehlt an Unternehmen, die sie einstellen“, stellt Rehbichler klar. Sie fordert wie auch Arbeitsministerin Korinna Schumann die Einführung eines Bonus-Malus-Systems, das Beiträge an die tatsächliche Beschäftigung Älterer koppelt.„ 

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Auch Wifo-Ökonom Helmut Mahringer forderte kürzlich mehr Anreize für Unternehmen zur Anstellung von älteren Personen. Dass die Senkung der Lohnnebenkosten durch höhere Abgaben für über 60-Jährige finanziert wird, hält er für kontraproduktiv. Das würde die ohnehin schwierigen Einstellungschancen weiter verschlechtern.

Verfestigte Arbeitslosigkeit führt zu Altersarmut

„Aus verfestigter Arbeitslosigkeit vor der Pension wird Altersarmut danach. Wer die letzten Erwerbsjahre arbeitslos verbringt, erwirbt kaum Pensionsansprüche“, sagt Manuela Vollmann, Vorstandsvorsitzende von arbeit plus. Dazu kämen entgangene Beiträge und höhere Ausgaben im Gesundheits- und Sozialsystem. 

„Beschäftigung ab 50 ist kein Sozialprogramm, sie ist Arbeitskräftesicherung. Jedes Jahr, das ein Mensch vor der Pension arbeitslos verbringt, kostet den Staat mehr, als es kostet, ihn in Arbeit zu halten“, so Vollmann.

Aus der Praxis der Sozialen Unternehmen

In den vom AMS geförderten Sozialen Unternehmen arbeiten Menschen, die am regulären Arbeitsmarkt niemand einstellt. Sie sind dort kollektivvertraglich angestellt und zahlen Beiträge.  „Ein großer Teil von ihnen ist über 50“, berichtet Rehbichler. Ein Teil davon wechsle in den regulären Arbeitsmarkt, ein Teil bleibe bis zur Pension. „Beides ist besser als Arbeitslosigkeit.“

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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