Neuartige PV-Anlage auf 2.350 Meter Höhe könnte Schule machen

Wirtschaft

Die rasant gestiegenen Strompreise durch den russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 haben ein Tiroler Skigebiet dazu gebracht, die eigene Energieversorgung zu überdenken. Heuer wurde damit begonnen, im hochalpinen Gelände mit neuen Methoden eine Photovoltaik-Anlage aufzubauen. Sie soll künftig die Hälfte des Strombedarfs für die Lifte des Skigebiets Kühtai abdecken. Das Pilotprojekt soll aber auch zeigen, welches Potenzial für Solarenergie die Berge bieten.  

So viel Strom wie 850 Haushalte verbrauchen  

Die PV-Anlage wird auf 2.350 Meter Seehöhe direkt neben einem Speichersee für Schneekanonen errichtet. 3.280 Module mit einer Spitzenleistung von insgesamt 2 Megawatt werden vertikal an einem Südhang ausgerichtet. Im Jahr sollen sie rund 2,9 Gigawattstunden Strom erzeugen, was dem Jahresverbrauch von 850 Haushalten entspricht. Was man von dem Kraftwerk erwarten kann, fand der Betreiber, die Bergbahnen Kühtai, durch einen Prototyp heraus.  

Dieser wurde 2023 gemeinsam mit der TIWAG-Tochter Tinext gebaut, wie Philip Haslwanter von den Bergbahnen Kühtai dem KURIER schildert. Während die Solarstromerzeugung die Erwartungen erfüllt hat, suchte man bei der Montage eine neue Lösung. Dabei ist das Bauunternehmen HTB ins Spiel gekommen. Sie hat für das Projekt Ständer entwickelt, die kein Betonieren erfordern und dennoch den Belastungen im Gebirge, vor allem starkem Wind, standhalten.

Module schwingen im Wind…  

Dafür werden 16 Zentimeter breite Löcher gebohrt. Jeder Stahlständer des Projekts „Kühtai Solar“ wird 2,5 Meter tief im Boden verankert, erklärt Patrick Dobler von HTB. Die Module werden daran in 1,80 Meter Höhe aufgehängt – hoch genug, dass Schafe darunter grasen können und im Winter die Schneedecke überragt wird. Eine Besonderheit der Ständer: Die Module sind daran so aufgehängt, dass sie frei schwingen können. So wird die Windlast reduziert.  

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… und bringen 50 Prozent mehr Leistung

Wie die bisherigen Tests gezeigt haben, kommen die Module am Berg auf 40 bis 50 Prozent mehr Leistung als im Tal. „Die Höhenlage mit weniger Nebel und klarerer Luft bringt uns einen Vorteil“, so Haslwanter. Liegt im Winter Schnee, wird das Sonnenlicht aus der Umgebung stärker reflektiert. Die Module sind bifazial und können somit Licht von zwei Seiten nutzen. Durch die vertikale Montage wird das im Winter eher flach einfallende Licht besser genutzt.  

Überschuss geht an Energiegemeinschaft  

Für die PV-Anlage wurde aus Umweltschutzgründen ein Standort direkt innerhalb des Skigebiets ausgewählt, direkt zwischen zwei Seilbahnen. Ein großer Vorteil am Rande des Speichersees: Für Schneekanonen waren bereits Netzanschlüsse und Transformatoren vorhanden. Tagsüber im Winter fließt der Strom direkt in den Betrieb der Lifte des Skigebiets. Außerhalb der Saison wird der Strom hauptsächlich an eine lokale Energiegemeinschaft weitergegeben. In Zukunft könnte die PV-Anlage am Berg auch durch einen Batteriespeicher ergänzt werden.  

Auf das Image des Skigebiets soll sich das Projekt jedenfalls positiv auswirken. „Nachhaltigkeit ist in Kühtai ein großes Thema. Im Ort haben wir ein Biomasse-Kraftwerk, das Hotels mit Wärme versorgt. Die TIWAG erzeugt mit ihrem Pumpspeicherkraftwerk sauberen Strom. Und jetzt kommt die PV-Anlage dazu.“ Sie soll im November in Betrieb gehen.

Projekt könnte wegweisend sein  

Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf 5,2 Millionen Euro. 45 Prozent der Kosten werden durch Förderungen gedeckt. Als Pilotprojekt soll …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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