
Im Beisein des britischen Königs Charles III. hat der französische Präsident Emmanuel Macron eine Ausstellung des berühmten mittelalterlichen Wandteppichs von Bayeux im British Museum in London eröffnet. Er hoffe, dass beide Länder Beziehungen knüpften, die „so eng wie die Fäden“ des fast tausend Jahre alten Wandteppichs seien, sagte Macron am Mittwochabend bei der Zeremonie. Charles würdigte die Leihgabe als „wertvolles Symbol des Vertrauens“.
Der 68 Meter lange bestickte Wandbehang aus dünnem Leinenstoff gehört zum UNESCO-Welterbe. Er wurde im 11. Jahrhundert angefertigt und erzählt in 58 detailreichen Szenen die Geschichte von Wilhelm dem Eroberer, der den Ärmelkanal überquerte und den englischen König Harold II. in der Schlacht von Hastings im Jahr 1066 besiegte.
Insgesamt sind auf dem Wandbehang mehr als 600 Menschen und 200 Pferde dargestellt. Die Fülle der Einzelheiten gibt einen seltenen Einblick in seine Entstehungszeit. Zu sehen ist unter anderem, wie mehrere Männer auf einen Kometen zeigen, der später als der Halleysche Komet identifiziert wurde.
Experten hatten vor dem Transport gewarnt
Der französische Präsident hatte sich persönlich für die unter Experten umstrittene Leihgabe des Kulturschatzes aus dem 11. Jahrhundert eingesetzt. Experten hatten vor dem Transport des empfindlichen Meisterwerks gewarnt, das bereits zahlreiche Risse und Löcher aufweist. Der Wandteppich war dafür im vergangenen Jahr erstmals seit mehr als vier Jahrzehnten im Museum der nordfranzösischen Stadt Bayeux abgehängt worden. Er wurde in einem Spezialbehälter in einem klimatisierten Lastwagen unter Polizeischutz durch den Tunnel unter dem Ärmelkanal nach Großbritannien gefahren.
Im British Museum wird er in einer eigens für ihn angefertigten Vitrine liegend ausgestellt. Die Eintrittskarten für die Ausstellung, die bis zum 11. Juli 2027 dauert, sind bereits bis Ende des Jahres ausverkauft. Die Kosten für die Ausstellung betragen laut einem Bericht der Financial Times 5,8 Millionen Euro, die vom British Museum und Sponsoren getragen werden.
Bekräftigung der französisch-britischen Freundschaft
Die Leihgabe ist nicht zuletzt eine diplomatische Geste zur Bekräftigung der französisch-britischen Freundschaft vor dem Hintergrund der erratischen Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump. Macron verbindet die Ausstellungseröffnung mit seinem Antrittsbesuch als erster Staatschef eines EU-Landes beim britischen Premierminister Andy Burnham.
Unmut hatte allerdings im Vorfeld der Umstand gesorgt, dass ausgerechnet Peter Thiel, Trump-Impulsgeber und umstritener Vordenker der MAGA-Bewegung, noch vor allen Würdenträgern eine Privatführung durch die Schauräume erhalten hatte, in denen der Bayeux-Teppich ausgestellt ist. Laut Guardian sah er die Räume bereits am 18. August.
Ungeachtet dessen setzen die Museumsleute und Politiker auf die Kraft der Kulturdiplomatie: Wie Nicholas Cullinan, Direktor des British Museum, in einem Interview mit der Financial Times andeutete, könnte die Leihgabe des Bayeux-Teppichs als Modellfall dienen, um einen anderen Konflikt beizulegen, der auf internationalen Beziehungen Großbritanniens lastet: Seit Jahrzehnten fordert nämlich Griechenland die Rückgabe der Skulpturen vom Parthenon Fries, die als „Elgin Marbles“ bekannt sind – nach dem Gesandten Lord Elgin, der diese im 19. Jahrhundert unter Vorwänden nach Großbritannien verbracht hatte.
Source:: Kurier.at – Kultur



