
Die Warnungen von Wetterdiensten ließen es vermuten: Der lang ersehnte Regen kommt für Festival-Fans zum ungünstigsten Zeitpunkt in der ungünstigsten Form – als heftige Unwetter genau am Starttag des heurigen FM4-Frequency-Festivals.
Zunächst aber geht noch alles gut. Mit 31 Grad und schwüler, drückender Luft unter dem bedeckten Himmel startet das Festival mit der österreichischen Indie-Rockband Lovehead. Die drei Frauen an Gitarre, Drums und Bass, die das erst eintrudelnde Publikum mit Freibier ködern, eröffnen das stilistisch vielfältige Programm.
Der Schweizer DJ Antoine kämpft danach zwar mit Soundproblemen, sorgt aber für den ersten Höhepunkt. Wohl wegen seines Hits „Ma Cherie“ ist der Raum vor der Space-Stage randvoll. Die, die nicht schon am Mittwoch angereist sind, unterbrechen den Zeltaufbau, sorgen für einen Andrang, den man beim zweiten Act des Festivals um 14.15 Uhr nur selten gesehen hat. Das zeigt schon jetzt, was ein breites junges Publikum in Zeiten der multiplen Krisen am meisten braucht: Eskapismus, simple Melodien, fröhliche Beats, sonnige Texte, Ballermann-Atmosphäre.
Sturm zieht auf
Kaum ist DJ Antoine fertig, gibt der düstere Himmel ein paar Tropfen frei. Aber noch zieht das Ärgste am Festivalgelände vorbei. Ravyn Lenae, eine Songwriterin aus Chicago, die Indie-Pop mit Soul-Elementen würzt, müht sich mit wallender Rot-Mähne ab. Stimmung wie vorher kommt nicht auf. Die meisten haben sich verzogen, wollen auf dem Campingplatz den Zelt-Aufbau hinkriegen, bevor die Unwetter zuschlagen.
Aber auch SDP können den Großteil ihres Sets noch im Trockenen spielen, lassen mit einer vielköpfigen Band, einem Sound-Mix aus Rock, Pop und Hip-Hop, simplen Melodien und deftigen Texten die bisher beste Stimmung vor der Space Stage aufkommen. Auch das ist Eskapismus pur. Unter anderem mit dem Pur-Song „Abenteuerland“ oder mit dem morbiden „Ne Leiche“. Dabei fragen sich die Duo-Freunde Dag-Alexis Kopplin und Vincent Stein, wie sie die Leiche loswerden, die plötzlich auf ihrem Sofa liegt.
Erst gegen Ende des SDP-Sets beginnt es zu regnen. Dann wild zu stürmen. Man hat es erwartet. Ungut ist es trotzdem. Denn die Nässe prasselt jetzt von der Seite auf die nackten Beine der Fans, die wegen des schwülen Festivalstarts zumeist in Shorts gekommen waren. Beirren und vertreiben lassen sich nur wenige. Die Plastikregenhäute sind schnell übergezogen, auf den LED-Wänden steht die Info: „In den nächsten Stunden ist mit Unwettern zu rechnen“ – verbunden mit der Bitte, sich darauf einzustellen. Das ist schon mal gut, eine Evakuierung scheint nicht notwendig.
Sicherheitsmaßnahmen
Harry Jenner, seit Jahren Chef des Festivals, weiß genau, wann er evakuieren muss, ist während des ganzen Festivals ständig mit den örtlichen Wetterdiensten in Kontakt. „Das zielt darauf ab, dass die Leute den zu evakuierenden Raum schon verlassen haben, wenn das Wetterszenario eintrifft“, erklärt Jenner im Gespräch mit dem KURIER. Ein paar Mal mussten er und seine Sicherheitsmitarbeiter bei Nova Rock und Frequency schon evakuieren – so, dass bei Unwettern niemand zu Schaden kam.
Insofern versteht Jenner die Diskussion um die Schulung des Sicherheitspersonals nicht, die just zum Start des Festivals von der Gewerkschaft Vida aufgebracht wurde, die einheitliche Standards für die Ausbildung Sicherheitsdienste forderte: „Wir schulen und trainieren die Leute in den Key-Positionen, die die Evakuierungen durchführen, selbst. Wir …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



