
Ohneberg ist seit 2011 selbstständig und Chef des Kupplungsproduzenten Henn.
KURIER: Warum wollten Sie schon als Schüler Unternehmer werden? Das wurde Ihnen nicht in die Wiege gelegt.
Martin Ohneberg: Stimmt. Vielleicht hat es mir meine Mutter mitgegeben, eine Schneidermeisterin, die ihren Beruf zugunsten der vier Kinder aufgegeben hat. Schon in der Bregenzer Handelsakademie war mein Traum, Unternehmer zu werden.
„Europa hat kein Ideen-, sondern ein Umsetzungs- und Kapitalproblem“, haben Sie in einem Vortrag gesagt. Was also muss geschehen?
Es gibt Super-Ideen und viele Überschriften, aber keine konsequente Umsetzung in den Nationalstaaten bis in die Gemeinden hinunter. Außerdem fehlt seit Jahren der Kapitalmarkt. Beim Space-X-Börsegang zum Beispiel geht es um Trillionen.
Sie produzieren mit Ihrer Firma für Europa und Asien – wie empfinden Sie den Unterschied?
Asien hat sich seit Corona rasant verändert. Vor allem in China geht alles viel rascher. Dort produziert man – teilweise staatlich unterstützt – billiger, hat Innovationskraft, probiert Dinge aus, lässt sie mit großer Geschwindigkeit zu, während Europa reguliert.
China mit seinem kommunistischen Kapitalismus wird aber zunehmend skeptisch betrachtet.
Auf der anderen Seite müssen wir auch einsehen, dass unser demokratisches System nicht der Heilsbringer für alle und alles ist. Es gibt halt auch andere Regierungsformen – und die Chinesen, die ich beruflich treffe, sind glücklich damit. China ist jedenfalls verdammt stark, und wir brauchen ein Rezept, damit umzugehen. Es ist fünf nach zwölf. Für eine komplette Emanzipation ist der Zug abgefahren, wir sind bei etlichen Technologien und bei Rohstoffen wie Seltenen Erden abhängig. Rund 70 Prozent der Batterien in der europäischen Automobilindustrie kommen inzwischen aus China.
Vielleicht sind wir eben ein Kontinent am Abstieg.
Ich will mich nicht geschlagen geben und sagen, Europa verliert. Wir müssen alle Kräfte bündeln und die besten Leute nach Brüssel schicken.
Wie wirkt sich die Automobilkrise auf Ihre Firma aus – die Automobilzulieferer ist?
Ich will nicht von Krise sprechen, sondern von Transformation. Das ist mein Appell an die Politik: Das geht nicht wieder weg – und wenn wir jetzt nicht gestalten, werden wir verlieren. Wir selbst haben einen Teilbetrieb an die TE Connectivity veräußert und wollen uns neben dem Stammgeschäft stärker im Non-Automotive Bereich positionieren.
Zumindest beim E-Auto ist China uneinholbar, oder? Alles spielt sich im Bereich von Batterien und Software ab, und da ist Europa nicht am stärksten. Wobei es nicht nur um China geht. So stehen nur 15 Prozent der Rechenzentrumskapazitäten in Europa, aber 75 Prozent in den USA. Da haben wir definitiv den Anschluss verloren. Und wir haben Ideologien, die nicht mit der Realität zusammenpassen: Es reicht, 2050 klimaneutral zu sein (EU-Vorgabe), das braucht nicht 2040 zu sein (wie im österreichischen Klimagesetz vorgesehen; Anm.), China und die USA werden 2060, 2070 klimaneutral sein.
Stichwort Batterien: Sie sind Aufsichtsratsmitglied beim mittlerweile insolventen Batteriehersteller Varta Ihres Geschäftspartners und Freundes Michael Tojner. Warum die Pleite, wo es Nachfrage gäbe?
Es gibt unterschiedliche Phasen für Unternehmen, Varta war einmal eine große Erfolgsstory. Es wurden Investitionen getätigt in der Hoffnung, dass sich angebahnte Geschäfte (mit den Apple Airpods; Anm.) tatsächlich umsetzen lassen. Natürlich sind auch Fehler passiert. Ein Riesenproblem sind aber die nicht mehr wettbewerbsfähigen europäischen Standortkosten. …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



