
Die Vorstände und Aufsichtsräte der an der Wiener Börse notierten Aktiengesellschaften haben 2025 im Schnitt mehr verdient. Insgesamt gab es im Vorjahr zwar weniger Vorstandsmitglieder, die jedoch besser bezahlt worden seien, erklärte Florian Beckermann, Präsident des Interessenverbands für Anleger (IVA), am Donnerstag in einem Pressegespräch. Kritik äußerte er an der „Dauerbaustelle“ der Leistungsmessung für die variable Vergütung.
Die durchschnittliche Vergütung je Vorstand stieg im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf 1,589 Millionen Euro, geht aus der „IVA Vergütungsstudie 2025“ hervor. Da die Zahl der Vorstände insgesamt zurückging, wuchs die gesamte Vorstandsvergütung dagegen nur um geringe 0,6 Prozent auf 245,314 Mio. Euro. Untersucht wurden 37 der im Segment prime market der Wiener Börse gelisteten Unternehmen.
CEO-Gehälter hierzulande weit unter jenen bei DAX-Konzernen
Die Hälfte der Vorstandsvorsitzenden (CEO) – alles Männer – der heimischen Gesellschaften erhielt für 2025 über 1,702 Mio. Euro. Zum Vergleich: Bei deutschen DAX-Konzernen lag dieser Wert (Median) im vergangenen Jahr laut einer Auswertung der Nachrichtenagentur Reuters bei knapp 6,7 Mio. Euro.
Den größten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr verzeichnete nach Lenzing mit einem Plus von 93 Prozent der steirische Leiterplatten-Hersteller AT&S mit 76,5 Prozent. Allerdings ergab sich die starke Steigerung bei Lenzing durch die Abfertigung des CEOs Rohit Aggarwal. Dagegen drückten niedrigere Bonuszahlungen die Vergütungen für den Andritz-Vorstand um gut die Hälfte hinab.
Bawag-Vorstände verdienen trotz Rückgang am besten
Weiterhin am meisten lässt sich die Bawag ihre Führung kosten, wenngleich die Vorstandsvergütung auch nach Kritik seitens der Anleger deutlich zurückging. Mit einem Minus von 31,5 Prozent auf 29,211 Mio. Euro für alle Vorstände bzw. 31,9 Prozent auf 7,444 Mio. Euro für den CEO blieb die Bank das bestbezahlende Unternehmen.
Dabei sei die BAWAG mit ihrem Vergütungssystem kein österreichischer Maßstab, hielt Beckermann fest. Als Relativierung verweist er auf die gute Arbeit des Vorstandes, etwa bei der Kostenkontrolle und dem Risikomanagement, was sich letztlich in einer starken Ergebnisentwicklung widerspiegle. Zudem halte das Management selbst große Aktienpakete und profitiere daher auch von den Dividendenausschüttungen.
Nach der Bawag und der OMV bei der CEO-Vergütung vorne dabei ist trotz verhaltener Geschäftsentwicklung Mayr Melnhof (MM). So zahlte der Verpackungshersteller gut fünf Mio. Euro an seinen Chef Peter Oswald. Auf MM folgen voestalpine, Wienerberger und Erste Group.
Kritik an fehlender Transparenz bei Leistungskriterien
Leicht gestiegen ist der Anteil der variablen Vergütung, er legte bei den 36 Unternehmen mit entsprechenden Angaben von 43,2 auf 44,8 Prozent zu. Hier vermisst Beckermann die klare Kausalität zwischen erzieltem Ergebnis und gewährtem Bonus. Die Aktionärinnen und Aktionäre hätten grundsätzlich kein Neid-, sondern ein Leistungsproblem. Höhere Vergütung sei dann akzeptabel, wenn dahinter messbarer langfristiger Unternehmenserfolg steht. Je höher die Vergütung, desto strenger muss jedoch auch der Leistungsnachweis sein, so der IVA-Präsident.
Aufsichtsräte erhalten mehr
Positiv ist nach IVA-Ansicht hingegen, dass die Vergütung der Aufsichtsräte gestiegen sei. 2025 erhielten die rund 287 Aufsichtsräte der untersuchten Aktiengesellschaften 21,507 Mio. Euro und damit 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch hier steht die BAWAG mit einer Vergütung von insgesamt 1,936 Mio. Euro an erster Stelle, gefolgt von ihren Branchenkolleginnen Erste Group und Raiffeisenbank International (RBI).
„Man könnte besser bezahlen“, verwies Beckermann darauf, dass die alle Aufsichtsräte zusammen weniger …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



