
Felix Gall hat seine Zugehörigkeit zum Kreis der weltweit besten Rundfahrer mit dem zweiten Grand-Tour-Podium innerhalb weniger Monate untermauert. Der Osttiroler zeigte sich bei der Vuelta a Espana wie auch schon beim Giro d’Italia über die drei harten Wochen in herausragender Verfassung. Besser als der 28-jährige Kletterspezialist waren nach dem Sturz-Aus von Topstar Tadej Pogacar nur der Spanier Enric Mas und der Slowene Primoz Roglic.
Den Rest des Feldes hatte Gall im Griff. Der ehemalige Juniorenweltmeister konnte sich bei seinem höchstwahrscheinlich letzten Einsatz für den Decathlon-Rennstall einmal mehr auf seine große Stärke in den Bergen verlassen, mit der er auch seine Defizite im Zeitfahren kompensierte. Ein Etappensieg blieb ihm aber wie auch schon auf dem Weg zum historischen zweiten Rang beim Giro verwehrt. Im Mai hatte Gall 69 Jahre nach Adolf Christian bei der Tour de France den erst zweiten österreichischen Podiumsplatz bei einer der drei großen Rundfahrten erreicht.
Bevorstehender Teamwechsel und Rückkehr zur Tour
Setzt Gall seinen 2023 mit dem Königsetappensieg bei der Tour so richtig gestarteten Erfolgsweg weiter fort, darf der Wahl-Salzburger auch in den kommenden Jahren mit den Superstars um die wichtigsten Rundfahrtentitel kämpfen. Die mit Sturzverletzungen rekonvaleszenten Jonas Vingegaard und Pogacar sind im Vollbesitz ihrer Kräfte aber schon noch eine Stufe über ihn zu stellen.
Bei der Frankreich-Rundfahrt wird man Gall ziemlich sicher nächstes Jahr wiedersehen – und zwar in einem neuen Team. Die Verkündung seines kolportierten Transfers zu Lidl-Trek steht unmittelbar bevor. Für den finanziell und personell sehr stark aufgestellten Rennstall mit deutscher Lizenz soll Gall, ausgestattet mit einem sehr lukrativen Vertrag, in den kommenden Jahren auftrumpfen. Unterstützen wird ihn dabei weiterhin Gregor Mühlberger. Sein in Spanien durch einen Sturz verletzt ausgeschiedener Edelhelfer und Trainingspartner soll gemeinsam mit ihm wechseln.
Erfolgsfaktoren greifen ineinander
Mühlberger war ein sehr wichtiger Erfolgsbaustein in Galls fünfter Decathlon-Saison, in der er unmittelbar vor der Vuelta bei der gewonnenen Burgos-Rundfahrt seinen erst dritten Profisieg feierte. Die volle Konzentration auf zwei weit auseinanderliegende Saisonhöhepunkte und damit einhergehend lange Rennpausen erwies sich ebenso als goldrichtig. Als Basis für den Giro und die Vuelta absolvierte Gall, angeleitet von seinem Coach Stephen Barrett, ausgiebige Höhentrainingslager, die auch für viele andere Profis längst unverzichtbar sind.
Außerdem blieb Gall im Gegensatz zu Pogacar sowie den bei der Tour ausgefallenen Vingegaard und Florian Lipowitz von Sturzverletzungen verschont. Als Abschluss seines formidablen Rennjahres fährt er übernächste Woche noch das WM-Straßenrennen in Kanada. Die dort wartenden zahlreichen kürzeren Anstiege sind aber nicht sein Lieblingsterrain, obwohl er seine Bergaufspritzigkeit durch gezieltes Training heuer noch einmal deutlich verbessert hat.
Source:: Kurier.at – Sport



