Wenn das Musiktheater in eine Kirche geht

Kultur

Sehr geehrtes Kulturamt!

Jetzt wurden die österreichischen Musiktheaterpreise, wie ich gelesen habe, diese Woche doch tatsächlich in der Wiener Votivkirche verliehen. Kirche und Oper – was ist denn das für ein Kasperlmusiktheater? Noch dazu hat Markus Hinterhäuser, der geschasste Intendant der Salzburger Festspiele, einen Ehrenpreis erhalten. Also wirklich . . . Geht es um Kunst oder nur um Ideologie? Ich beantrage bei Ihnen den Liebesentzug für diesen Preis und die sofortige Einstellung. Das schreit ja zum Himmel!

Mit sakralen Grüßen, K. E.

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Sehr geehrte K. E.,

vielen Dank für Ihren Antrag, dessen Einlangen wir hiermit bestätigen (Geschäftszahl 27/2026). Allerdings sehen wir uns zur Ablehnung desselben gezwungen, weil wir erstens nur mit Liebesentzug reagieren können, wenn es zuvor eine Art von Liebe gegeben hat, und weil wir zweitens keinen Einfluss auf die Abhaltung einer derartigen Preisverleihung auszuüben in der Lage sind.

Ihrer Empörung entnehmen wir immerhin, dass Sie vom Ort der Preisvergabe und von zumindest einer Entscheidung der Jury emotionalisiert waren – damit hat der Musiktheaterpreis wesentlich mehr erreicht als in den Jahren zuvor. Im Idealfall hat er sogar neue potenzielle Interessenten innerhalb der katholischen Kirche angesprochen, wenngleich diese eine altersmäßige durchaus ähnliche Besucherstruktur aufweist wie so manches Theater (und in puncto Dramaturgie und Programmierung definitiv nicht innovativer ist).

Sie merken vielleicht schon: Wir halten eine Kirche als Ort für eine derartige Gala auch nicht für ideal. Eine Kirche konfrontiert das Publikum mit nicht weniger Hürden als ein Musiktheater. Und gerade Oper ist ja (unserer Ansicht nach zu Unrecht) immer wieder mit dem Vorurteil konfrontiert, zu sakral, ja sogar tempelartig zu sein. Wir mutmaßen jedoch, dass die eine oder andere Institution gar keine gesteigerte Lust gehabt haben könnte, die Vergabe dieser Preise durchzuführen. Und dass man darob halt nimmt, was man kriegt. Was dann nach der Votivkirche kommt, können wir nicht erahnen, glauben jedoch, dass der Zentralfriedhof noch nicht an der Reihe ist.

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Bezüglich der Vergabe eines Ehrenpreises an Markus Hinterhäuser sind wir jedenfalls weniger streng. Er hat in seinen Jahren in Salzburg (und auch zuvor bei den Wiener Festwochen) viel für das Genre geleistet und ist völlig unbescholten. Dass das aber durch die Jury eine Motivvergabe in der Votivkirche war, ist evident. Und gleichzeitig das geringste Problem an diesem Preis.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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