
Wer 2024 die Doku „I am Celine Dion“ gesehen hat, der hätte nicht damit gerechnet, was am Samstag Abend in Paris vor sich gegangen ist. Da hat die kanadische Sängerin das erste ihrer Comeback-Konzerte gegeben – und vor zwei Jahren war sie diesem Ziel weiter entfernt als die meisten Menschen den hohen Tönen, die sie ihren Lungen entpresst.
In dem Film wird sie dabei begleitet, wie sie mit dem Stiff-Person-Syndrom lebt. Diese neurologische Krankheit trifft einen von einer Million Menschen, statistisch gesehen. Sie verursacht Krämpfe von Muskeln, Sehnen und Nerven. Für Dion hatte sie die berufsbeendende Folge, dass sie ihre Stimme nicht mehr nutzen kann. Oder, wie man seit Samstag Abend weiß: fast berufsbeendend.
Fantreffen vor dem Hotel
Schon seit eineinhalb Wochen war Paris im Celine-Fieber. Es gibt einen Pop-Up-Shop mit luxuriösem Merchandise in der Galerie Lafayette, es gab Freitag ein großes Open-Air-Karaoke zu Dion-Hits, und wer vor dem Hotel kampierte, in dem die Sängerin logiert, durfte erleben, wie sie mit Fans sang, scherzte, ihren Hund herzeigte und überhaupt eine ganze Menge gute Laune verbreitete. Dabei sah man ihr auf den Videos von diesen Begegnungen in den Sozialen Medien immer an, dass sie selbst auch eine gute Portion Rührung über diese Entwicklung ihrer Karriere verspürte.
Und so war es durchaus angemessen, dass Konzertbesuchern empfohlen wurde, Taschentücher nicht zu vergessen. Viele Taschentücher. Denn schon bei der Eröffnung des Konzerts am Samstag flossen Tränen. Bei Celine Dion. Und das, obwohl sie es anders geplant hatte: „Ich hatte mir versprochen, nicht zu weinen.“ Aber es waren Freudentränen, wer will sie ihr verwehren.
26 Auftritte für 900.000 Menschen
Es war der erste von 26 Auftritten in Paris, im Herbst und im Frühjahr. Sie waren innerhalb von wenigen Stunden ausverkauft, an die 900.000 Menschen werden dabei sein. Neun Millionen hatten sich laut Billboard Magazin für Tickets interessiert. Dion sang zum Auftakt in der Plenitude Arena bei Paris „On Ne Change Pas“ (Auf Deutsch: Man ändert sich nicht).
Das stimmt allerdings so nicht ganz. Denn eines musste Celine Dion ändern. Beziehungsweise war sie durch ihre Krankheit gezwungen, etwas zu ändern: ihre Stimme. Sie hatte schwere Krämpfe in der Kehle, ein Gefühl, als ob sie erwürgt werde, erzählte sie einmal. In der Doku „I am Celine Dion“ muss sie einsehen, dass sie keine hohen Töne mehr singen kann. Oder darf. In einer herzzerreißenden Szene kann sie ihre frühere Art zu singen nicht abstellen und bekommt deshalb einen schweren Krampfanfall. Es scheint, als würde ihr Körper ihr verbieten, das zu machen, was sie am meisten liebt – wenn sie sich nicht an seine neuen Regeln hält.
Kompromiss mit dem Körper
Nun haben Dion und ihr Körper einen Kompromiss gefunden: Auf Social-Media-Videos vom Konzert klingen die meisten Lieder tiefergeschraubt, aber Dion singt druckvoll wie immer – und es tut der Euphorie der Fans keinen Abbruch. Gerade bei „All by myself“ zuckte die Menge rechtschaffen aus. Ein paar Patzer zu Beginn des Konzerts wurden ignoriert – sie machten den früher oft in ihrer Perfektion etwas arrogant wirkenden Star nur nahbarer.
Dem Ort entsprechend sang Dion viele Lieder aus dem französischsprachigen Album …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



