
Sie kennen Erykah Badu eventuell nicht, sie kennen aber jene Textzeile, die sie schrieb – und die ihr entkommen ist und seither in der Weltpolitik eine gar nicht kleine Rolle spielt.
„I stay woke“, sang sie 2008 auf ihrem Track „Master Teacher“, und, nun ja, der Rest ist Geschichte: Zuerst lief das – wir bleiben im Vokabular – als links gelesene Milieu mit Wokeness-Ideen heiß, warf mit Pronomenvorgaben und Identitätsansprüchen um sich und regte bis tief in die Mitte der Gesellschaft die Menschen auf. Dann kaperten die Rechten den Begriff und machen damit seither sehr erfolgreich rhetorischen Abwehrkampf.
Pausenende
Nun ja, blöd gelaufen. Badu ist nicht happy mit alldem, und man versteht es, denn eigentlich ist sie abseits des vergifteten Gesellschaftsdiskurses eine Ausnahmemusikerin, die mit ihrem Debüt „Baduizm“ 1998 für Furore sorgte. Nun hat sie ein neues Album veröffentlicht, das erste seit 16 Jahren, und man sollte, könnte „Before The World Blows: The Abi and Alan Experiment“ anhören, um etwas über diese Welt zu lernen, bevor sie in die Luft geht. Es gibt darauf Neo-Soul und Hip-Hop, man erinnert sich, eine Musikmischung aus einer Zeit, bevor so viele verrückt geworden sind.
Fantasie und Trauer
Badu kooperiert auf dem Album mit dem Hip-Hop-Produzenten The Alchemist. Und das Ergebnis ist großes Musiktheater, nicht zuletzt auch großes Albumtheater. Das ist keine Playlist, es ist ein Album, eine große Fantasie von Gedankenechos mit einem Inneren-Monolog-haften Strom an Gedanken und Situationen zwischen Humor (ja, man hört ihr beim schmerzhaften Waxing zu) und Traurigkeit über eine Welt, die sich zerschlagen hat.
Source:: Kurier.at – Kultur



