Breite Front gegen Babler: Kommt statt Zeiler ein Kompromisskandidat?

Politik

Es ist wieder einmal ein Schicksalstag für die SPÖ: Auf Einladung von Parteichef Andreas Babler kommen am Sonntag die Spitzen der Landesparteien, der Gewerkschaft und der Frauenorganisation nach Wien, um die verworrenen Verhältnisse zu bereinigen, die seit einer Woche in der Partei herrschen, nachdem Medienmanager Gerhard Zeiler angekündigt hatte, Babler als Parteichef ablösen zu wollen. 

In den meisten Bundesländer-Organisationen, allen voran jenen in Kärnten, Steiermark oder Niederösterreich, hat Babler angesichts von Umfragewerten im steilen Sinkflug längst keinen Rückhalt mehr. Aktuell arbeiten sie mit Hochdruck an einer möglichst breiten Länder-Front, die am Sonntag Babler den Rücktritt nahelegen soll. 

Dass er sich davon beeindrucken lässt, ist aber alles andere als sicher:  „Ein Rücktritt von Babler wird nicht passieren, er wird sich sicher nicht durch eine Kampagne der Boulevardmedien aus dem Amt mobben lassen“, heißt es aus seinem Umfeld. 

Mit Genugtuung verweist man dort auch auf die jüngste OGM-Umfrage für den KURIER, wonach unter den SPÖ-Wählern nur 16 Prozent Zeiler für eine Alternative zu Babler halten. 

Somit bleibt Zeiler nur mehr der Weg einer Kampfabstimmung mit einem monatelangen parteiinternen Wahlkampf mit allen negativen Begleiterscheinungen für die Partei selbst, aber auch für die Regierungsarbeit. Im Babler-Lager ist das Kalkül, dass dessen Gegner der Partei dies nicht zumuten wollen.

Angesichts einer derart schwierigen Gemengelage schwankt die Stimmung im Lager der Babler-Gegner zwischen Wut und Resignation. „Er nimmt die Partei in Geiselhaft“, sagt ein Länder-Funktionär zum KURIER. „Selbst wenn wir in den Umfragen bei zehn Prozent liegen, wird er uns immer noch weismachen wollen, dass der Kurs stimmt.“ 

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„Babler wird bleiben – es sei denn, es taucht eine dritte Person als Kompromiss auf“, sagt ein anderer Funktionär ernüchtert. Zu sehr hätten die medialen Auftritte Zeilers viele Genossen irritiert, als dass er als ernsthafter Herausforderer in Frage käme. Etwa seine Forderung nach einer Sonntagsöffnung, die für die Gewerkschaft ein absolutes No-Go sei. 

Marterbauer als Alternative?

Doch wer wäre ein möglicher Kompromisskandidat? Immer wieder fällt der Name von Finanzminister Markus Marterbauer, der laut Umfragen über hohe Sympathiewerte verfügt. Doch allein schon aufgrund seiner Krebserkrankung ist nur schwer denkbar, dass er sich zusätzlich noch den nervenaufreibenden Job als Parteichef antut. 

Aktuell kursiert auch eine Variante, dass es innerhalb des roten Regierungsteams zu einer Rochade kommt: Marterbauer steigt zum Vizekanzler auf, während Babler sich auf seine Minister-Funktionen beschränkt. 

Daneben werden auch Genossen wie Infrastrukturminister Peter Hanke oder Niederösterreichs Parteichef Sven Hergovich als mögliche neue Parteichefs genannt. In der Wiener Landespartei werden wiederum Überlegungen gewälzt, die dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures zumindest als Übergangsparteichefin zu installieren. 

All diese Pläne wirken aber wenig unausgegoren, sondern vielmehr der aktuellen Ratlosigkeit geschuldet. Somit ist durchaus denkbar, dass der Parteichef auch nach dem Sonntag Andreas Babler heißt. 

Bleibt noch die Variante, dass er wenigstens darauf verzichtet, bei der nächsten Wahl jemanden anderem als Spitzenkandidat den Vortritt zu lassen. Doch darüber zu entscheiden, wäre bei einem regulären Wahltermin 2029 derzeit noch zu früh. 

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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