
Das nennt man einmal ein generationenübergreifendes Familienprojekt. Vor 71 Jahren brachte Regisseur Elia Kazan John Steinbecks Roman „Jenseits von Eden“ auf die Leinwand. Nicht nur, aber schon besonders in Erinnerung durch die Mitwirkung von James Dean. Nun hat Elia Kazans Enkelin Zoe sich desselben Stoffs für eine Miniserie als Drehbuchautorin und Produzentin angenommen. Einen großen Vorteil hat sie: In sieben Teilen kann man einiges mehr aus dem wuchtigen Werk von Steinbeck übernehmen.
Die erste Folge startet mit der schicksalhaften Begegnung der beiden Brüder Charles und Adam Trask mit Cathy, die halb totgeprügelt zu ihrer Farm gekrochen kommt. Erst dann geht die Erzählung 25 Jahre zurück und stellt die Familie Trask vor: an ihrer Spitze ein einbeiniger Bürgerkriegsveteran, der seinen Söhnen schon im Bubenalter eine militärische Ausbildung angedeihen lässt. Dass seine Liebe zu den beiden nicht gleichmäßig verteilt ist, ist Publikum und Söhnen gleichermaßen schnell klar. Weil Adam vom Vater für den Dienst in der Kavallerie ausgewählt wird, während Charles die Farm hüten soll – „wie eine Frau“ – verdrischt Letzterer seinen Bruder aus Eifersucht fast letal. Kein Wunder, dass Adam nach dem Militärdienst keine gesteigerte Lust hat, zurückzukehren, sondern als Landstreicher herumzieht.
Cathy als zentrale Figur
Schließlich steht er aber doch wieder vor Charles’ Zaun. Der Vater ist gestorben, das erleichtert eine Aussöhnung der Brüder. Aber dann liegt eben die blutverschmierte Frau vor der Schwelle. Und während Adam die Verletzte, die sich angeblich nicht an ihren Namen erinnert, pflegt und sich verliebt, ist Charles überaus skeptisch. Und das zu Recht, wie der nächste Rückblick erklärt, der die Geschichte der Cathy Ames erzählt.
Bei Steinbeck ist Adams spätere Frau eine Psychopathin, eine unberechenbare Figur, die das Böse in ihrem Naturell hat. Die neue Verfilmung, in der Florence Pugh Cathy spielt, schenkt ihr viel Präsenz, macht aus ihr eine Frau, die sich nimmt, was sie will, in einer Zeit, in der das nicht vorgesehen war. Es gibt mehr psychologischen Hintergrund für ihr kaltes Wesen, der bleibt immer noch undurchsichtig genug, dass es spannend bleibt. Netflix hat mit „East of Eden“ eine epische Familiensaga, die sich aber – das zur Vorwarnung – auch viel Zeit lässt bei der Dramaturgie. Dran zu bleiben lohnt sich, nicht zuletzt wegen der tollen Ausstattung und Pughs Spiel.
Source:: Kurier.at – Kultur



