
Es ist ein Ritual, das sich wiederholt – nur dass diesmal kaum noch jemand an eine Rettung glaubt. Die Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf erneut Insolvenz angemeldet. Zum vierten Mal seit 2020. Für die rund 12.000 Beschäftigten in 83 Filialen beginnt damit ein bitteres Warten: um ihre Arbeitsplätze, um Insolvenzgeld, um Klarheit.
Das Unternehmen gibt sich gewohnt einsilbig. Der Antrag schaffe den „rechtlichen Rahmen, um die aktuelle Situation zu ordnen“, heißt es in einer dürren Mitteilung. Welche Standorte schließen müssen, ist offen. Zu den Hintergründen schweigt die Geschäftsführung. Der Geschäftsbetrieb läuft vorerst weiter – wie lange, weiß niemand.
Die Insolvenz-Dauerschleife
Für Galeria ist es eine Krisenserie ohne Beispiel im deutschen Einzelhandel. 2020, 2022, 2024 – und nun 2026. Nach jeder Insolvenz wurden Filialen geschlossen, Gläubiger verzichteten auf Milliarden, Investoren versprachen den Neustart. Und jedes Mal folgte nach kurzer Zeit der nächste Absturz.
Die Zahlen sind brutal. 2019 erzielte Galeria Karstadt Kaufhof mit 174 Filialen noch 4,5 Milliarden Euro Umsatz. Sechs Jahre später, mit weniger als der Hälfte der Standorte, sind es nur noch 2 Milliarden Euro. Der Niedergang beschleunigt sich, statt sich zu verlangsamen.
Damaliger Mutterkonzern Signa um Rene Benko
Vor gut zweieinhalb Jahren hatte das Unternehmen, damals noch unter dem Namen Galeria Karstadt Kaufhof, den bisher letzten Antrag gestellt. Vorausgegangen war die Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa um Rene Benko. Galeria gehörte zur Handelssparte Signa Retail. Mit dem Einstieg in den Handel war der Untergang des Signa-Konzerns programmiert.
Seit Sommer 2024 gehört die Kette der US-Investmentgesellschaft NRDC und Unternehmer Bernd Beetz. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden, der Firmensitz wanderte von Essen nach Düsseldorf. Ein Neuanfang sollte es werden. Geworden ist es ein weiteres Kapitel im Niedergang.
Kein Geld für Miete, kein Geld für Mitarbeiter?
Schon im April 2026 beklagten Vermieter ausbleibende Mietzahlungen. Die Geschäftsführung sprach von „Liquiditätsschwankungen“ und bat um Stundung. Im Juni folgte eine Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro, bereitgestellt von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers. Das Geld war an einen dreijährigen Sanierungsplan geknüpft der weitere Schließungen vorsah.
Im Juli stellte Galeria 33 Warenhäuser auf den Prüfstand. Ohne „tragfähige Lösungen“ mit den Vermietern sei die Fortführung gefährdet, hieß es. Eine Entscheidung stand zuletzt noch aus. Jetzt ist sie gefallen in Form eines Insolvenzantrags.
Mitarbeiter gehen möglicherweise leer aus
Besonders prekär ist die Lage für die Beschäftigten. Ob sie Insolvenzgeld erhalten, ist völlig unklar. Das Amtsgericht Essen hat die Planüberwachung nach der letzten Insolvenz noch nicht aufgehoben. Die Bundesagentur für Arbeit erklärte bereits im Juni: „Befindet sich ein Unternehmen weiterhin in der Planüberwachung, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass nicht erneut Insolvenzgeld gezahlt werden kann.“ Das würde bedeuten: Die Mitarbeiter gehen möglicherweise leer aus. Nach drei Insolvenzen in sechs Jahren eine bittere Pointe.
Das Ende der Warenhäuser
Ein Aus für Galeria wäre mehr als der Untergang einer Kette. Es würde das Ende der Ära klassischer Warenhäuser in Deutschland markieren. Zwar gibt es noch Breuninger, die KaDeWe-Gruppe und das Kaufhaus Stolz. Doch sie sind Nischenanbieter, regional begrenzt oder auf Luxus spezialisiert.
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Source:: Kurier.at – Wirtschaft



