
„Einfach machen und tun“, nannte das Museum Marta im deutschen Herford die große Werkschau zu Ingrid Wiener, die im Februar dieses Jahres zu Ende ging.
Gemacht und getan hatte die als Ingrid Schuppan geborene Künstlerin, die am Donnerstag kurz vor ihrem 84. Geburtstag verstarb, wahrlich viel: Sie war Performerin in Aktionen der „Wiener Gruppe“, ging an der Seite ihres Mannes Oswald Wiener nach der Skandal-Aktion „Kunst und Revolution“ nach Berlin und gründete dort unter anderem das Lokal „Exil“, außerdem die Künstlerlokale „Matala“ und „Ax Bax“ . Später lebte das Paar in Kanada und betrieb das Claims Cafe“ in Dawson City, Kanada.
Ingrid Wiener agierte als Chefköchin und Wirtin (die spätere TV-Köchin und Politikerin Sarah Wiener ist allerdings nicht ihre Tochter, sondern ging aus einer früheren Beziehung Oswald Wieners mit der Künstlerin Lore Heuermann hervor). Als Monsti Wiener veröffentlichte Ingrid Wiener gemeinsam mit VALIE EXPORT mehrere Vinyl-Schallplatten, sie machte zahlreiche Gesangs- und Kochperformances.
Vor allem aber schuf Wiener ein eigenständiges Künstlerisches Werk, das vor allem im Bereich der Textilkunst Ausnahmestatus besaß. „Warum nicht einfach weben, was man hinter den Kettfäden sowieso sieht. Weg vom Entwurf und rein in die Dinge, die wir sehen“, so beschrieb die Künstlerin einst selbst ihren Arbeitsprozess. Geometrische Formen und Diagramme waren in ihren Gobelins also ebenso zu sehen wie Essiggurkerln oder andere Objekte des Alltags.
Verwoben
Begonnen hatte Wiener, die an der Textil-Fachhochschule in Wien studierte, allerdings als Mitarbeiterin von Friedensreich Hundertwasser. Von 1964 bis 1970 initiierte und webte sie zusammen mit VALIE EXPORT die ersten Hundertwasser-Gobelins – die freilich als Werke des Künstlers ohne Erwähnung der Ausführenden präsentiert wurden. Weiterer Austausch führte sie zu einer Zusammenarbeit mit Dieter Roth, die von 1974 bis 1997 andauerte. Neben Bildteppichen gingen aus dieser Kollaboration u. a. „Videobriefe von Ingrid Wiener und Dieter Roth“ hervor, die auf VHS-Kassette erschienen.
Ab 1995 setzte sich Wiener verstärkt in Zeichnungen und Aquarellen mit Träumen auseinander. Mehr als 40 Gobelins, gut 350 Traumzeichnungen sowie Filme, Fotos sowie Gesangsprojekte entstanden während ihres Lebens – den Webstuhl hatte Wiener immer im Gepäck. Der Tod Wieners wurde von ihrer Wiener Galerie Charim sowie vom Museum für Angewandte Kunst publik gemacht. „Wir verlieren eine Künstlerin, Pionierin, Vermittlerin und Freundin, die uns an ihrer Welt und ihren künstlerischen Prozessen teilhaben ließ“, wird MAK-Direktorin Lilli Hollein in der Aussendung zitiert.
Source:: Kurier.at – Kultur



