Theater am Werk: Paradies? Darauf gepfiffen

Kultur

Alles begann mit Adam und Eva. Eva, die aus Adams Rippe geschaffen wurde. Sie aß vom Baum der Erkenntnis, verführte Adam, es ihr gleichzutun und beide wurden deshalb aus dem Paradies vertrieben.

Was für eine Lüge. Erdacht von Adam und seinem Kumpel, dem angeblich lieben Gott. Weißer alter Mann auf seiner Wolke.

Die Geschichte begann in Wahrheit ganz anders. Sie begann mit Lilith und Adam, zwei gleichberechtigten Partnern, geformt aus demselben Lehm. Sie lebten in einem schönen Garten, hatten lustvollen Sex und lebten auf Augenhöhe miteinander. Bis Gott Nachwuchs von ihnen einforderte („vermehret euch“), der Sex zweckmäßig wurde und Adam im Tierreich beobachtete, dass Gleichberechtigung zwischen Männchen und Weibchen ganz und gar keine Selbstverständlichkeit war. Die meinungsstarke Lilith, die wurde ihm zu anstrengend.  

Tamara Stern erzählt in ihrem am Donnerstag im Theater am Werk Petersplatz uraufgeführten musikalischen Theatermonolog „(S)he –Lilith Revolution“, zunächst von der historischen Lilith, jener laut jüdischer Legende ersten Frau, die die Bibel später so gut wie verschwieg, an die man sich nur mehr als „Dämonin“ erinnerte.

Stern legt ihre Performance als pointenreiche, musikalisch unterfütterte Stand-up-Comedy an. Groß, stark und selbstbewusst tritt diese Lilith in Erscheinung, weigert sich, sich Adam unterzuordnen fordert singend „Modern Love“ von ihm ein. Er aber, ein stellenweise sehr klischeehaft doofer Mann, hat keine Lust darauf. Lilith ist ihm zu anstrengend, er freut sich schon auf die großäugige, mädchenhafte Eva. Lilith verlässt also das Paradies und rechnet wortgewaltig mit den Herren der Schöpfung ab. 

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Im zweiten Teil des 90-minütigen Abends legt Stern ihre auffällige Lilith-Perücke und den satirischen Ton ab und erzählt vom Leben eines jüdischen Mädchens, das zunächst in Berlin, später mit dem alleinerziehenden Vater in Jerusalem lebt, und auch da, ähnlich wie Lilith, immer wieder aneckt. Versuche, sich anzupassen, scheitern. Etwa, als sie, Schauspielerin geworden, versucht, sich mit der Machowelt des Theaters zu arrangieren, indem sie auf sanftes Mädchen macht. Trost spendet, in der Kindheit wie im Erwachsenenleben, David Bowie. Mit seinem Song „Helden“ wurde sie jeden Morgen geweckt, er wurde zum Lebensbegleiter und begleitet auch diese Performance, in der Deutsch, Englisch und Hebräisch gesprochen und gesungen wird.

Lilith ist stellenweise sehr ulknudelig geraten, ein zwei Kalauer weniger würden’s auch tun (Inszenierung; Paul Spittler). Zugleich aber ist spürbar, dass unter dem ironischen Pointenschleudern eine große Sehnsucht nach Akzeptanz steckt. Und Bowies Song „Helden“, der neben anderen Klassikern wie „Life on Mars“ hier zum Einsatz kommt, passt gut: Schließlich war auch diese Lilith eine Heldin, wenn auch nur für einen Tag.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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