60 Prozent der jungen Generation kennen keinen einzigen Unternehmer

Wirtschaft

Dietrich „Didi“ Mateschitz, Hans Peter Haselsteiner und René Benko. Diese drei Namen fallen Österreicherinnen und Österreichern spontan ein, wenn sie gefragt werden, welche Unternehmer sie eigentlich kennen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Meinungsumfrage unter 1.500 Menschen, die von der Stiftung Unternehmerische Zukunft in Auftrag gegeben wurde. Fast die Hälfte, konkret 49 Prozent der Befragten, konnten jedoch keine einzige Persönlichkeit nennen. Bei den 16- bis 29-Jährigen waren sogar 60 Prozent ratlos. Nur ein paar wenige erinnerten sich neben Mateschitz und Benko zumindest noch an die Familie Swarovski oder Tech-Milliardär Elon Musk. „Dem Unternehmertum fehlen die Gesichter“, kritisiert Stiftungsvorstand Markus Raunig.

Doch wessen Versagen ist das und wie lässt sich Unternehmertum sichtbarer machen? Lisa-Marie Fassl, selbst Unternehmerin und Co-Gründerin des Risikokapitalfonds Fund F, versucht sich an einer Erklärung. „Viele verstehen nicht, was Unternehmertum überhaupt ist“, sagt sie. Schließlich wäre auch der Landwirt nebenan ein Unternehmer, oder der Influencer mit den hunderttausend Followern, dem man selbst auf Social Media folgt. „Das hat mit dem Image, der Selbstdefinition von Unternehmertum zu tun.“

Auch bei Fassl habe es gedauert, bis sie sich selbst als Unternehmerin bezeichnet hat. Anfangs war sie „nur“ Gründerin – quasi auf Bewährung zur Unternehmerin. Dabei wäre in ihren Augen jede Person, die ein solches Risiko eingeht, bereits Unternehmer. „Es braucht nur den Stolz, das auch zu sagen.“

Wie Unternehmertum und die Personen dahinter in Österreich sichtbarer werden

Schulen könnten eine enorme Hebelwirkung haben, ist Lisa-Marie Fassl überzeugt. „Dafür müssen Lehrkräfte aber ein besseres Verständnis von Wirtschaft entwickeln.“ Auch Gespräche mit Freunden oder Familie könnten viel bewirken. „In meinem Umfeld gibt es immer noch Leute, die sagen: ’Du arbeitest so viel und musst ja ständig erreichbar sein’. Das hat alles einen negativen Touch“, berichtet Fassl, die Unternehmertum als „größte Form von Selbstbestimmung im beruflichen Kontext“ erachtet. Deswegen wäre der vermutlich größte Hebel selbst Erfahrungen mit dem Gründen zu sammeln.

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Selbst Unternehmer sein – aber wie?

Baustellen gebe es genug, die man unternehmerisch angehen könnte. „Die Frage ist: Bin ich passiv und vertraue darauf, dass jemand anderer etwas macht, oder will ich selbst meinen Beitrag leisten“, fragt die Unternehmerin. Wer aktiv werden will, aber nicht weiß wie, könne zwei Wege einschlagen:

1) Mit offenen Augen durch die Welt gehen, Probleme identifizieren und dafür Lösungen entwickeln. Oder:
2) Man wendet sich an Technologietransferstellen wie Universitäten. Dort gebe es meist Co-Founder-Börsen für Menschen, die Technologien oder Patente entwickeln und nicht im Alleingang kommerzialisieren wollen. „Es wird viele überraschen, wie wichtig wirtschaftliche und werbliche Expertise ist. Und wie viele Forscherinnen und Forscher sich wirklich freuen würden, Co-Founder zu finden.“

Keine Idee zu haben, wäre somit für Fassl keine Entschuldigung, nicht unternehmerisch tätig zu werden. Wer Vorbilder sucht, aber neben Mateschitz, Haselsteiner und Benko kein anderer Name einfällt, dem nennt Fassl drei:

Elisabeth Gürtler, „eine der beeindruckendsten Unternehmerinnen Österreichs“, die jedoch leider oft „nur“ als „Grande Dame“ der heimischen Gesellschaft wahrgenommen wird. Dabei war es Gürtler, die das Hotel Sacher und die Sachertorte international bekannt gemacht, das Unternehmen skaliert hat und bis heute täglich in ihrem Betrieb steht.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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