US-Orchester-Präsident Matías Tarnopolsky: „Es sind schwierige Zeiten“

Kultur

Von Susanne Zobl

Die Konzerte im Musikverein waren ausverkauft, das Publikum jubelte. Was für ein Finale für eine Tournee, die New York Philharmonic, das älteste Orchester der USA, durch Europa geführt hat.

Der KURIER traf Matías Tarnopolsky zum Gespräch, den Präsidenten dieses Klangkörpers, der unter den „Big Five“, den fünf besten Orchestern der Vereinigten Staaten, ungebrochen seinen Platz behauptet. Sein „I am happy about this historic tour“ kommt aus dem Herzen.

Mit dieser Tournee fügte er der Geschichte des Orchesters ein wesentliches Kapitel hinzu. Man werde dafür sorgen, dass weitere folgen. Wenn der gebürtige Argentinier über sein Orchester spricht, spürt man, wie er für seinen Job brennt. Am 1. Jänner 2025 hatte er sein Amt angetreten. Die Ernennung von Gustavo Dudamel zum Chefdirigenten ließ ihn zu den „New Yorkern“ zurückkehren. Von 2005 bis 2009 war er bereits deren Vizepräsident für künstlerische Planung.

Neue Ära

Es sei für ihn unglaublich spannend, gemeinsam mit Dudamel diese neue Ära einzuläuten. Deshalb sei er zurückzukommen. „Die Beziehung von den Musikern und Gustavo ist fantastisch“, sagt er. Was ist mit den Schwierigkeiten, mit denen die Kultur derzeit konfrontiert ist? Seit 2018 wurden in den USA neun Orchester aufgelöst. „Die gesamte Kunstszene in den USA ist unglaublich produktiv; Museen, Orchester, Kammermusik- und Theaterensembles sind wirklich im ganzen Land sehr aktiv. Aber es steht außer Frage, dass die Organisationen schwierige Zeiten durchleben“, so Tarnopolsky.

Anders als in Europa ist die Kultur in den USA auf Sponsoren angewiesen. Wie funktioniert das? Bei der Programmgestaltung sei man komplett unabhängig, betont er. „Sponsoring-Vereinbarungen sind wirklich keine reinen Geschäftsabschlüsse in dem Sinne, dass der Sponsor sagt, was er will, und wir es ihm dann liefern. Die Entscheidungen trifft der Chefdirigent.“

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New Yorker Stolz

Natürlich hört man manchmal so etwas wie: „Meine Mutter liebte Mahler. Das werde ich unterstützen.“ Aber die Zuwendungen seien Zeichen der Verbundenheit. „Sponsoren unterstützen große Visionen und setzen sich für den Erfolg der Einrichtung ein. Außerdem fühlen sie sich tief mit New York City verbunden – hier kommt ihr Stolz als Bürger ins Spiel.“

Bei ihren Gastspielkonzerten stand zeitgenössische Musik neben Gustav Mahler, der von 1909 bis 1911 Chefdirigent war, auf dem Programm. Engagement für zeitgenössische Musik sei Teil der Orchestergeschichte. Jetzt gehe es darum, mit dieser Geschichte umzugehen und die Zukunft zu gestalten. Ein Ziel sei es, möglichst viele Menschen zu erreichen. Das geschehe auch bei den Konzerten in den Parks von New York, die Hunderttausende Menschen besuchen, sagt Tarnopolsky.

Wie aber geht man mit dem auch in der Kultur immer stärker werdenden Antisemitismus um? In Belgien wurde der israelische Dirigent Lahav Shani mit den Münchner Philharmonikern ausgeladen. Würde er ihn engagieren? „Lahav Shani ist bei New York Philharmonic absolut willkommen. Er ist ein außergewöhnlicher Künstler“, lässt Tarnopolsky keine Zweifel aufkommen.

Leidenschaft

Und er fügt mit Nachdruck hinzu: „Wir verurteilen Antisemitismus in all seinen Formen. Er hat in unserer Gesellschaft und in der Kunst absolut keinen Platz. Musik ist ein gemeinsames und gemeinschaftliches Erlebnis; sie schafft einen Raum, in dem Menschen zusammenkommen, und das bringt uns einander näher. Orchester und Musikinstitutionen müssen diese Möglichkeit nicht nur schützen, sondern auch …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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