Sofie Royers Album „before/after“: Nur wenige Momente sind Gegenwart

Kultur

„Wenn man an zwei Orten aufgewachsen ist, fühlt man sich oft, wie in einem Zwiespalt gefangen.“ Sophie Royer weiß, wovon sie spricht. Sie wurde in Amerika als Tochter einer Österreicherin und eines Iraners geboren und zog mit zwölf Jahren mit ihrer Familie nach Wien. 2025 war die 35-Jährige wieder in den USA auf Tour und spürte diesen Zwiespalt deutlich. „Ich war mit meiner amerikanischen Band und meinen dortigen Freunden unterwegs und dachte, eigentlich sollte ich immer hier sein können“, erinnert sie sich im KURIER-Interview. „Es ist dann oft schwer, wieder in das andere Leben in Österreich zurückzukehren.“

Immerhin entstand aus dieser Erfahrung ein Song für Royers neues Album „before/after“. Eine der zwölf Indie-Pop-Perlen, die sie damit liefert, heißt „Sesquicentennial“, ein Wort, das sie im Taxi nach einem Auftritt beim SXSW-Festival in Texas auf einem Autoaufkleber las. „Es bedeutet ,alle 150 Jahre’, und in der Hitze von Texas und in meinem sonnenverwöhnten Zustand fand ich das sowohl albern als auch aufregend. Es brachte mich dazu, über diese Zeit in Amerika und über alles Zyklische im Leben nachzudenken, das wir schicksalhaft wiederholen müssen. Je älter man wird, desto bewusster werden einem bestimmte Verhaltensmuster. Also fragst du dich, was muss passieren, dass ich aufhöre, immer dieselben Dinge zu wiederholen? Aber dann merkst du, dass du dich doch wieder genauso verhältst.“

Klassische Geige studiert

Generell beschäftigt sich Royer, die am Wiener Konservatorium klassische Geige studiert hat und zusätzlich Gitarre, Bass und Klavier spielt, auf „before/after“ in vielen Songs mit dem Thema Zeit. Häufig satirisch und humorvoll fragt sie sich, inwieweit Konflikte mit der Vergangenheit und der Zukunft vielleicht Konflikte mit uns selbst sind: „So vieles im Alltag und in der Kommunikation misst man an der Vergangenheit oder an der Zukunft“, sagt sie. „Man ist in nur wenigen Momenten wirklich in der Gegenwart präsent.“

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Pop-Referenzen

Als generell Kultur-begeisterte Künstlerin, die Todd Rundgren und Elliott Smith als ihre prägendsten musikalischen Einflüsse nennt, baut Royer gerne Referenzen an Pop-Phänomene oder -Werke in ihre Songs ein. Der Titel von „Cowboy Mouth“ ist zum Beispiel einem Theaterstück entlehnt, das Sam Shepard mit Patti Smith geschrieben hat. „Auto“ hat musikalische Anklänge an „Maschine brennt“ von Falco: „Ich selbst fand es immer sehr interessant, wenn ich durch ein Musikstück oder einen Film, auf ein Buch oder ein Theaterstück aufmerksam wurde. Wichtig ist mir aber, dass man meine Lyrics auch versteht, wenn man die Referenzen nicht kennt.“

Nicht nur als Konsumentin hat Royer ein breites Interesse an Kultur. Abgesehen davon, dass sie ihre Songs schreibt und produziert und die meisten Instrumente selbst spielt, liebt sie es, ihre Videos selbst zu filmen und zu schneiden. Und nach einem Engagement im Film „Emmanuelle“, in dem Royer 2024 als Sängerin ihrer eigenen Songs auftrat, hat sie gerade zwei weitere Filme abgedreht. „Beide sind von Jasmin Baumgartner und es sind meine ersten Sprechrollen“, erklärt Royer. „Im ersten Film spiele ich jemanden, der gerne im Reality-TV unterwegs ist. Der zweite ist ein Episoden-Film, in dem ich mehrere Rollen verkörpere. Da spielen Iris Berben und ganz viele Freunde von mir mit. Die werden beide …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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