
Nach einem Schlaganfall hat das Leben für den berühmten Chansonnier Antoine Toussaint keinen Sinn mehr. Er ist körperlich beeinträchtigt und sieht sich nicht mehr in der Lage, auf der großen Bühne aufzutreten. Also beschließt er, in der Schweiz durch begleiteten Suizid seinem Leben ein Ende zu setzen. Doch Antoine hat die Rechnung ohne die quirlige Victoire gemacht. Im Zug nach Genf setzt sie sich in sein Abteil und redet und redet. Outet sich als Fan des Sängers und ignoriert hartnäckig sein „Madame, ich hätte gerne meine Ruhe“. Müßig zu sagen, dass sie ihm auch nach der Ankunft in der Schweiz an den Fersen klebt wie Kaugummi.
So wie sich Antoine und Victoire in Jean-Pierre Améris’ Komödie als ungleiches Paar finden, so haben sich beim Casting auch Gérard Darmon und Valérie Lemercier gefunden, die als bedächtiges Yin und sprudelndes Yang dem Film die darstellerische Würze verleihen. Der brummige Eigenbrötler Antoine wird von dieser energetischen Nervensäge Victoire bedrängt, ob er will oder nicht. Nur wenn er singt – und Gérard Darmon kann definitiv sehr gut singen – gibt sie Ruhe. Irgendwann gewöhnt sich Antoine an die Nervensäge und akzeptiert ihre Nähe. Und siehe da: Er verspürt wieder so etwas wie Lust am Leben.
Herz auf der Zunge
„Victoire“ Valérie Lemercier macht als Plaudertasche, die das Herz auf der Zunge trägt, richtig gute Laune. Die Chemie mit dem etwas hüftsteifen, aber knuddeligen Antoine stimmt. Vor allem aber versprühen die beiden am Ende, als sie sich näher gekommen sind, Lebensfreude und eine positive Grundhaltung. Herrlich romantisch, wenn Gérard Darmon den alten François Valéry-Hit „Aimons-nous vivants“ – so auch der französische Originaltitel des Films – zum Besten gibt. Da denkt man eher an Hochzeitsplanung, denn an Selbstmord.
INFO: F 2025. 90 Min. Von Jean-Pierre Améris. Mit Gérard Darmon, Valérie Lemercier.
Source:: Kurier.at – Kultur



