
Zwischen Dutzenden Geschäftsleuten und mehreren elektrischen Sportwagen tanzt ein Roboter im schwarzen Polo-Shirt klackernd zu Swing-Musik. Es gibt Eindrücke, die sind selbst für eine erfahrene Politikerin wie Beate Meinl-Reisinger neu. Österreichs Außenministerin ist zum ersten Mal überhaupt in China. „Das ist natürlich ein steiler Start, wenn man direkt zu den innovativsten Unternehmen nach Shanghai kommt“, sagt sie. „Es ist schon sehr beeindruckend.“
Zumal die Nacht wenig erholsam war: Kurz nach ihrer Ankunft hatte die Ministerin mitsamt der Delegation im Hotel das WM-Gruppenspiel zwischen Österreich und Argentinien (0:2) verfolgt. Abpfiff war um 03:00 Uhr morgens. Nur Stunden später sitzt sie schon wieder im Auto, durch ein regennasses Shanghai, über wolkenverhangene Autobahnbrücken, vorbei an Wolkenkratzern, die im Grau verschwinden.
Eine Autostunde außerhalb der Stadt liegt der Taicang High-Tech-Park – ein Industriegebiet, in dem auffällig viele Schilder Namen tragen, die man eher im Mühlviertel oder in der Steiermark vermuten würde. Meinl-Reisinger besucht an diesem Vormittag gleich mehrere davon.
Österreichische Weltmarktführer
Zuerst Starlinger: Das Familienunternehmen wurde 1835 im sechsten Bezirk in Wien gegründet, heute beschäftigt es fast 1.400 Mitarbeiter und ist mit seinen Maschinen, die Kunststoffsäcke für Verpackungen herstellen, Weltmarktführer. Seit 2005 betreibt der Konzern seine Niederlassung in Taicang, die laut dem österreichischen Geschäftsführer Michael Brunbauer inzwischen „vollends ausgelastet“ ist. Trotzdem sei China für Starlinger noch immer ein „schwieriger Markt“: Rund 85 Prozent der hier hergestellten Maschinen werden exportiert, weil die heimische Konkurrenz zu groß sei.
Danach geht es zu Ebner, ebenfalls ein Familienbetrieb, diesmal aus Linz. Das Unternehmen stellt Industrieöfen her, seit 24 Jahren auch in Taicang. Die Stahlrohre sind so groß, dass die Arbeiter für ihre Schweißarbeiten darauf klettern müssen. An der Führung durch das Werk nehmen hier auch der Bürgermeister und der örtliche Parteisekretär teil. „Allein, wie viele heimische Betriebe es hier geschafft haben, spricht für sich“, sagt Meinl-Reisinger.
Mehr als 600 österreichische Firmen sind in China tätig, zigtausende Arbeitsplätze hängen daran, „und ich höre, dass das wertgeschätzt wird“. Sowohl Starlinger als auch Ebner zählt sie zu den sogenannten „Hidden Champions“; Unternehmen, die auf dem Weltmarkt eine Nische besetzen und für ihre Kunden unverzichtbar geworden sind. „Diese österreichischen Unternehmen sind in China seit Jahren verlässliche Partner“, so die Außenministerin. „Sie bewahren in beiden Ländern Wohlstand, schaffen Arbeitsplätze und treiben die Technologie voran.“
Einer der ersten Österreicher, die unternehmerisch in Shanghai tätig wurden, war der Grazer Hans List. Er kam vor genau 100 Jahren als Student in die Stadt, begründete in den 1930er-Jahren an der Tongji-Universität die Fakultät für Maschinenbau und Energietechnik. Und er gründete den Familienbetrieb AVL List. Der ist kein „Hidden Champion“ mehr: Mit mehr als 12.000 Mitarbeitern in 30 Ländern ist AVL heute einer der weltweit führenden Dienstleister für Autohersteller. Der Konzern entwickelt, kalibriert und testet alles – Antriebe, Bremsen, selbst Software für fahrerlose Autos.
An diesem Nachmittag sind in der AVL-Zentrale in Shanghai einige hochrangige Vertreter chinesischer Kunden zu Gast. Unter anderem Hu Zhengnan, der technische Direktor (CTO) der Automobilsparte des chinesischen Tech-Riesen Xiaomi. Ein Konzern, der das rasende Tempo des chinesischen Marktes vielleicht am besten beschreibt: Erst 2010 gegründet, ist Xiaomi heute hinter Apple und …read more
Source:: Kurier.at – Politik



