
Die Frauen von Austria Wien sicherten sich in einem Herzschlagfinale gegen St. Pölten den Titel, der in der 98. Minute verloren schien, ehe Carina Wenninger in der 101. Minute ausglich und die Generali Arena zum Toben brachte. Danach wurde lange gefeiert, lange geschlafen und erst am frühen Nachmittag gefrühstückt.
KURIER: Austria Wien, Meister: Wie klingt das am Tag danach?
Carina Wenninger: Das klingt richtig gut, aber ich habe es noch nicht verarbeiten können. Das dauert ein paar Tage, bis es sickert.
Wie haben Sie die Phase von der 95. bis zur 101. Minute erlebt?
Das war der absolute Wahnsinn. Solche Minuten habe ich im Sport noch nicht erlebt. Wir hatten alles in der Hand, im nächsten Moment war alles verloren, dann haben wir alles zurück gewonnen. Der Elfmeter war für uns wie eine Schockstarre. Ich war mir gar nicht sicher, ob noch einmal angepfiffen wird.
Sie sind nicht als Torjägerin bekannt. War das der wichtigste Treffer Ihrer Karriere?
Auf alle Fälle der entscheidendste. So was werde ich nicht nochmals erleben.
St. Pölten zeigte sich verärgert, dass nach dem 1:0 noch so lange nachgespielt wurde. Verständlich?
Ich kann es nachvollziehen, wir waren von der Zeit schon drüber. Aber rund um den Elfer ist viel Zeit vergangen. Beide Trainer wurden darüber informiert.
War der Titel verdient?
Ja, das haben auch einige Spielerinnen von St. Pölten angemerkt beim Gratulieren. Der Titel spiegelt unsere Konstanz über das Jahr wider, in den Play-offs war der SKN das bessere Team.
Welchen Stellenwert hat der Meistertitel für Sie?
Einen ganz großen. Ich wollte immer noch einen Titel in Österreich gewinnen, dazu mit einem Verein, der einen Namen hat. Ich habe die Austria lieben gelernt als Grazerin. Im eigenen Land ist ein Titel schon speziell. Für viele junge Spielerinnen war es der erste Titel, der Verein hat auch lange darauf gewartet.
War das eine echte Wachablöse im heimischen Fußball?
Im optimalen Fall schon, aber jetzt kommt erst der richtig schwierige Teil. Es ist brutal schwer, etwas zu gewinnen, aber dann oben zu bleiben, ist noch härter. Wir brauchen einen Kader, mit dem wir wieder um den Titel spielen können. Ich habe größten Respekt vor dem SKN. Die extreme Wachablöse wird es nicht geben, weil Salzburg und Sturm stärker werden.
Nächstes Jahr gibt es auch bei den Frauen ein Wiener Derby. Kribbelt es schon?
Und wer das erste Heimspiel hat, knackt den Zuschauerrekord. Ich bin gespannt, wie es von der Sicherheit und der Stimmung wird. Es ist sicher ein Spiel im Frauenfußball, wo es anders als sonst zur Sache gehen könnte. Ich habe noch nie so ein klassisches Derby gespielt.
Was darf man sich von Österreich mit Teamchef Lars Sondergaard erwarten?
Die Veränderung war wichtig, er bringt Neues mit. Es ist hilfreich jemanden zu haben, der international schon tätig war.
Source:: Kurier.at – Sport



