
„Ich bin gezeichnet von einem Match, 3:3, des ma gwunnan haben“, dieser Satz von Hans Krankl nach einem Remis gegen Nordirland im Oktober 2004 ging als legendärer Sager in die österreichische Fußball-Geschichte ein. Jedoch: Krankl, damals Teamchef, hatte Unrecht. Die Partie in Belfast hat sich nach vielem angefühlt, nur nicht nach einem Sieg.
Ein Match, 3:3, des ma gwunnan haben, fand 22 Jahre später in Kansas City statt. Österreich jubelt nach einem Remis gegen Algerien, das an Dramatik nicht zu überbieten war, über den Einzug ins Sechzehntelfinale der WM. Und gezeichnet sind trotzdem irgendwie alle.
Österreichs erste K.o.-Runde seit 1954
Es ist die erste Teilnahme an einer K.o.-Runde einer Fußball-Weltmeisterschaft seit 72 Jahren. Seit einem 1:6 gegen Deutschland im WM-Semifinale 1954. Erstmals seit 44 Jahren, also seit 1982, hat man eine WM-Gruppenphase überstanden.
Und um ein Haar hätte Österreich noch weiter warten müssen. Um ein Haar wären die Österreicher als Deppen dieser Weltmeisterschaft dagestanden und nach Hause gefahren, wäre nicht Sasa Kalajdzic in Minute 96 richtig gestanden, um den Ball über die Linie zu drücken.
Zwei Mal war Österreich gegen Algerien in Führung gegangen, zwei Mal hat man sich den Ausgleich eingefangen. 2:2 – beide Teams wären weiter, alles wunderbar? Mitnichten. Als vieles nach einem Nichtangriffspakt aussah, tauchte plötzlich Riyad Mahrez vor Alexander Schlager auf und traf zum 2:3.
Überraschter Mahrez
Da wusste selbst der Torschütze nicht, wie ihm geschah. „Ich war überrascht, dass ich noch zu dieser Chance komme. Im Sinne des Fußballs möchte ich in so einer Situation das Tor machen“, sagte Mahrez. Nachsatz: „Aber die Österreicher haben ja eh noch den Ausgleich geschossen.“
Nach diesem Auftritt der Österreicher, speziell nach Seitenwechsel, drängen sich einige kritische Fragen auf. Doch Ralf Rangnick genießt neben dem Ruf eines gewieften Taktikers auch einen als starker Menschenführer. Der Teamchef dachte nach dem dramatischen Spiel gar nicht erst daran, seine Spieler öffentlich zu kritisieren oder gar abzuwatschen für ihre Naivität, sich ob des algerischen Ballgeschiebes so in Sicherheit zu wiegen.
Der Deutsche kehrte die Freude über den historischen Erfolg in den Vordergrund und meinte zur Dramatik in der Schlussphase: „Wenn Alfred Hitchcock so ein Drama verfasst hätte, dann hätte man ihn wahrscheinlich auch für völlig verrückt erklärt.“ Und weiter: „Wenn ich ehrlich bin, kann ich immer noch nicht glauben, was da gerade passiert ist.“ Rangnick fragte auch nach Wolfgang Ambros: „Wie heißt das Lied? Zwickt’s mi, i glaub’ i tram?“
So in etwa. Austropop gesungen wurde jedenfalls in der Kabine der Österreicher, wo im Anschluss an die Partie eine größere Party stattfand. Auf einem Video ist zu sehen, wie die Spieler inklusive Teamchef Arm in Arm Rainhard Fendrichs Klassiker „Strada del Sole“ trällern.
Doch eines musste man den Österreichern an diesem Abend auch lassen. Bevor die Party in der Kabine Fahrt aufnahm, stellte sich der eine oder andere auf durchaus selbstkritische Art und Weise. Marcel Sabitzer etwa, der Österreich mit 2:1 in Führung gebracht hatte und beim Tor zum 2:3 Assistgeber Aouar nicht stoppen konnte.
„Nach dem 2:3 waren wir emotional kaputt. Jetzt sind wir überglücklich. Wir haben uns einlullen lassen von ihnen, waren zu …read more
Source:: Kurier.at – Sport



