Den „russischen Bären nicht zu reizen“, reicht nicht mehr

Politik

Die Finnen erhoffen von der NATO den rettenden Schutz an ihrer 1.340 Kilometer langen Grenze zu Russland.

So ganz wohl ist Pilha bei dem Gedanken nicht: Seit die angehende Krankenschwester aus Helsinki denken kann, war die Möglichkeit, dass ihr Heimatland der NATO beitreten könnte, für die Mehrheit der Finnen ein Tabu. Doch Putins Krieg in der Ukraine hat die schlummernden Sorgen der rund 5,5 Millionen Finnen von unten nach oberst gekehrt. Wer schützt das bündnisfreie Finnland, wenn Russlands Armee auch den skandinavischen Nachbarn überfällt?

„Ich kann diese Sorgen teilen, vor Putin habe ich Angst“, erklärt Pilha, eine überzeugte Pazifistin. Immerhin teilen die beiden Staaten eine 1.300 km lange Grenze. „Bisher war ich immer völlig gegen einen NATO-Beitritt, aber jetzt bin ich unentschlossen.“

Drei Viertel ihrer Landleute sind sich dagegen sicher: Sie begrüßen laut Umfragen einen Beitritt ihrer Heimat zum westlichen Militärbündnis. Nächste Woche könnte – zusammen mit Schwedens Regierung das offizielle Beitrittsansuchen an die NATO gehen.

„Diese neunte Erweiterungsrunde der NATO seit 1949 ist Putin zu verdanken“, weiß der frühere finnische Premier Alexander Stubb. „Ohne den russischen Angriff auf die Ukraine würde sie nie passieren“, schreibt er in der Financial Times.

Freundschaftsvertrag

Bis zum Ende der UdSSR hatte für Finnland ein seltsames Relikt aus der Stalin-Zeit gegolten: Ein Vertrag mit Moskau über Freundschaft, Zusammenarbeit und militärischen Beistand. Als die Sowjetunion zerfiel, rettete sich die Führung in Helsinki in die Bündnisfreiheit. Während die baltischen Staaten in die NATO drängten, blieb Finnland neutral. „Nur den russischen Bären nicht reizen“, lautete das Motto.

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Doch der russische Überfall auf die Ukraine führte den Finnen vor Augen: Wenn Russland Krieg führen will, schützt kein unauffälliges Stillhalten und auch keine, wenn auch hochgerüstete finnische Armee.

Dass dieser Schutz von NATO-Partnern kommen würde, sehen auch die meisten jungen Finnen so. Doch viele klagen: „Ich weiß zu wenig“, gibt sogar Emili zu, die ein Jahr in der finnischen Armee gedient hat. „Die öffentliche Diskussion ist viel zu kurz

für so einen gewaltigen Schritt.“ Und Pilha gibt zu bedenken: „Was werden die Kosten sein, werden Atomwaffen bei uns stationiert? Das hat uns noch niemand gesagt.“

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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