Eine nimmermüde Kämpferin für das Gerechte

Politik

Ihren bisher letzten großen Auftritt hatte Navi Pillay im September 2025. Die von ihr geleitete Kommission des UN-Menschenrechtsrats zu Gaza warf Israel Völkermord vor. Die südafrikanische Richterin sagte, die israelische Regierung habe „seit fast zwei Jahren eine völkermörderische Kampagne mit der spezifischen Absicht inszeniert, die radikal-islamische Hamas in Gaza zu vernichten“. Jerusalem sprach sogleich von einer „verleumderischen Tirade“.

Ein Jahr später, am gestrigen Freitag, wurde der 85-jährigen südafrikanischen Juristin der diesjährige Friedensnobelpreis zugesprochen. Sie sei „eine Person von außergewöhnlichem Mut und außergewöhnlicher Integrität“, sagt das Nobelkomitee.

Als sie dessen Vorsitzender gut eine Stunde nach der Bekanntgabe der Auszeichnung endlich in Nürnberg erreicht, wo sie sich derzeit aufhält, meint Pillay, dass sie die Nachricht „kaum glauben“ könne. Als Juristin müsse sie das erst noch überprüfen. Umstehende klatschen und Pillay scherzt: „Wenn ihr noch ein bisschen mehr klatscht, teile ich diesen Preis vielleicht mit Trump.“

Ein Gegenentwurf

Das geschah heuer im Jänner. Die Preisträgerin des Jahres 2025, die Venezolanerin María Corina Machado, überreichte ihre Medaille dem US-Präsidenten. Dieser hält sich ja immer wieder selbst würdig für den Friedensnobelpreis. Mit Navi Pillay fiel die Wahl aber auf eine Art Gegenentwurf.

Navanethem Pillay, genannt „Navi“, wurde 1941 im südafrikanischen Durban als Kind indisch-tamilischer Eltern geboren, der Vater war Busfahrer. Schon in einem Schulaufsatz vertrat sie die Meinung, dass es die Aufgabe der Frauen in Südafrika sei, Kindern die richtige Einstellung zu Menschenrechten zu vermitteln. Ihre Laufbahn als Anwältin war gewissermaßen vorgezeichnet.

Da sie als junge Juristin keine Anstellung in einer Anwaltskanzlei fand, eröffnete sie als erste nicht-weiße Frau 1967 eine Kanzlei in Südafrika. In den Jahren danach verteidigte sie zahlreiche Gegner und Opfer des Apartheid-Regimes, auch ihren inhaftierten Mann.

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1973 erreichte sie, dass Anwälten erstmals Zugang zu den Häftlingen im Gefängnis auf Robben Island gewährt wurde. In dieser Haftanstalt saß zwei Jahrzehnte lang ein gewisser Nelson Mandela ein.

Der spätere, erste schwarze Präsident Südafrikas und ebenfalls Friedensnobelpreisträger ernannte Pillay zur ersten Richterin am Obersten Gerichtshof Südafrikas. Das war 1995, kurz nach dem Ende der Rassentrennung.

Ihre weiteren beruflichen Stationen führten Navi Pillay an den Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda – auch hier als erste Frau.

2003 wechselte sie an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. 2008 – bis 2014 – wurde sie UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. 2021 übernahm sie den eingangs erwähnten Vorsitz der UN-Untersuchungskommission zu Israel und den Palästinensergebieten.

Eine Gegenstimme

International hagelt es Glückwünsche, nur nicht aus Israel. Die Präsidentin des Internationalen Strafgerichtshofs, Tomoko Akane, sagt, der Preis sei „eine wichtige Würdigung der entscheidenden Rolle, die die internationale Justiz als Eckpfeiler eines dauerhaften Friedens spielt“. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen würdigt Pillay als Verfechterin „der Rechtsstaatlichkeit gegenüber dem Recht des Stärkeren“. Die Auszeichnung sei besonders bedeutend „in einer Zeit, in der Menschenrechte an so vielen Fronten unter Beschuss stehen – auch vonseiten derer, die enorme Macht ausüben“, sagt der österreichische UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk.

Scharfe Kritik kommt hingegen aus Israel. Das Nobelpreiskomitee habe „die größte Lüge des 21. Jahrhunderts“ belohnt, hieß es in einer Stellungnahme des israelischen Außenministeriums auf der Plattform X.

Vor Pillay haben vier Südafrikaner den mit rund 1 Million Euro dotierten Preis bekommen: Albert …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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