Immer wieder aufstehen: Feministische Vorreiterin Margot Pilz ist 90

Kultur

„Trotz Dem“: Die Fotoserie, die heute zu den klassischen Arbeiten von Margot Pilz zählt, ist auch in ihrer Jubiläumsschau in der Galerie 3 in der Wiener Schleifmühlgasse zu sehen. Mit einer subtilen Neuerung: In der ursprünglichen Abfolge der 1983 entstandenen Reihe zeigte sich Pilz, wie sie die Decke einer weißen Raumzelle von oben niederdrückte, bis sie unter der Last verschwand.

Nun schreiten die Besucherinnen und Besucher die Serie in entgegengesetzter Reihenfolge ab: Pilz stemmt sich gegen den Druck, steht auf, befreit sich. „Früher war alles sehr schwierig“, sagt die Künstlerin im KURIER-Gespräch. „Jetzt läuft es umgekehrt. Ich bin sehr glücklich, dass es mir gut geht.“

Fanclub

Vor Kurzem hat Pilz ihr 90. Lebensjahr vollendet – eine Party, organisiert von ihrem offiziellen „Fanclub“, steigt heute, Samstag, in der Galerie. Den Geburtstag verbrachte die Jubilarin in den Niederlanden, wo sie einst als Tochter eines holländischen Vaters und einer österreichischen Mutter geboren wurde. „Ich bin sehr verbunden mit Holland, die Leute liegen mir sehr – und das Meer geht mir wirklich ab“, sagt Pilz.

Wie die Muscheln, die am Strand zum Vorschein kommen, spült auch das künstlerische Werk von Margot Pilz oft wiederkehrende Motive aus ihrem bewegten Leben an die Oberfläche. Die Meeres-Sehnsucht etwa zeigte sich in der Aktion „Kaorle am Karlsplatz“, die im vergangenen Frühjahr im Rahmen der „Klima Biennale Wien“ erneut realisiert wurde: Der Stadtstrand vor der Karlskirche, der zum Verweilen einlud, erlebte 1982 im Rahmen der Festwochen seine Erstauflage. Diesmal machte Pilz auch Zivilisationsmüll zum Teil der Installation und brach die scheinbare Idylle. Ihr Engagement für Tier- und Umweltschutz wurzelt allerdings ebenso tief. In den 1980ern hätten dabei viele noch die Augen verdreht, erinnert sich Pilz. „Aber so ist das – wenn du zu früh bist, gehst du den anderen auf die Nerven.“

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Pilz’ neueste Arbeiten greifen ebenfalls Elemente von früher auf. So stellte die Künstlerin ein Motiv der „Sekundenskulpturen“ von 1978 nach und überblendete es mit Archivaufnahmen.

Ahnenreihe

Die Pose, die ursprünglich das Gefühl der Machtlosigkeit nach einer Konfrontation mit der Polizei wiedergab, bedeutet nun etwas ganz anderes: „Das Ärgste am Alter ist ja, wenn Freunde und Familienmitglieder sterben“, sagt Pilz. „Hier siehst du die Fotos der Leute, die ich geliebt habe – meine Eltern, meinen Mann, meinen Freund.“

Seit gut 20 Jahren, sagt Pilz, umkreist sie nun schon das Thema des Alterns und des Verlusts. Sie tut es mit derselben Schonungslosigkeit, mit der sie in den 70er-Jahren die Repressionen verarbeitete, die sie erfuhr – direkt, mit starken Bildern und mit Körpereinsatz.

„Happy Crappy Age“ („Schönes, beschissenes Alter“) etwa heißt eine Serie, für die sie mit ihrem langjährigen Lebensgefährten, dem Designer und Hochschulprofessor Ernst Beranek, posierte – kurz bevor dieser im März 2024 verstarb. Es sind sehr persönliche, intime Bilder, für die die beiden teils nackt vor der Kamera standen. Auch für eine neue Serie, in Form eines kleinen Flügelaltars gestaltet, posierte Pilz nackt – eine Überwindung, wie sie zugibt. „Mein alter Körper ist ja nicht sexy, sondern es ist halt ein alter Körper. Aber es ist ehrlich“, erklärt Pilz.

Nackt, normal

Dass sie für die Bilder mit der Fotografin …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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