
Unter Energieexperten gilt es seit Langem als running gag: Wien hat mehr Windräder als Salzburg, Tirol und Vorarlberg zusammen. Die Hauptstadt betreibt neun Anlagen, die drei Bundesländer keine einzige.
In Salzburg sind immerhin 26 Turbinen geplant. Neu ist, dass nun auch in Tirol ein Projekt konkret wird.
Wobei: Lange galt Windkraft im hochalpinen Raum Tirols als undenkbar. Während sich im Osten Österreichs tausende Rotoren drehen, blieb Tirol auf der Windkarte ein weißer Fleck. Das Land setzt stark auf Wasserkraft und sorgt sich um das Landschaftsbild seiner Berge. Große Windräder stießen auf Skepsis.
Am Berg Venet in der Gemeinde Fließ bei Landeck könnten nun die ersten vier Windkraftanlagen Tirols entstehen. Der Anstoß kam aus dem Ort: Nach der grundsätzlichen Zustimmung des Gemeinderats suchte der Energiekonzern Verbund das Gespräch mit den Bürgern. Im voll besetzten Kultursaal ging es kürzlich um die Frage, wie ein Bergdorf von der Energiewende profitiert, statt nur Kulisse für fremde Investoren zu sein.
Denn viele Großprojekte sind in der Vergangenheit am fehlenden Nutzen für die Menschen vor Ort gescheitert. Der Energiekonzern Verbund will genau da ansetzen, wenn das Projekt errichtet wird:
Gemeindeeinnahmen: Als Ausgleich für entgangene Kommunalsteuern erhält Fließ pro Anlage mindestens 25.000 Euro jährlich, bei vier Anlagen also rund 100.000 Euro. Das Geld könnte dann in Straßen, den Kindergarten oder Kulturinitiativen fließen.
Stromtarif: Nur Einheimische mit Liefervertrag erhalten ihren Haushaltsstrom für 9,6 Cent pro Kilowattstunde netto, garantiert für 20 Jahre. Das gilt für bis zu 3.500 Kilowattstunden pro Jahr. Haushalte mit Wärmepumpe sowie landwirtschaftliche und gewerbliche Betriebe können um den Preis bis zu 5.000 Kilowattstunden beziehen.
Beteiligung: Mit dem festverzinsten Produkt „Klimasparen“, das ebenfalls nur Bewohnern von Fließ offensteht, können diese direkt an den Erträgen des Windparks teilhaben.
Die meteorologischen und ökologischen Prüfungen laufen noch, technisch gilt das Projekt als machbar. Die vier Anlagen mit zusammen 16,8 Megawatt könnten rechnerisch rund 10.000 Haushalte mit Strom versorgen.
Wie stark der Wind in verschiedenen Höhen weht, misst seit einigen Wochen ein SODAR-Gerät, das Schallwellen in die Luft sendet und deren Echo auswertet. Drehen sich die Rotoren am Venet in einigen Jahren tatsächlich, wäre das das Ende eines energiepolitischen Tabus in Tirol.
Link zur Infoseite des Verbund zum Projekt am Venet
Source:: Kurier.at – Politik



