Alex Kristan hat viel zu erzählen: „Wer tschechat, bleibt in Schwechat“

Kultur

Heutzutage zahlen Menschen Eintritt für all die Ansagen, für die er einst einen Klassenbucheintrag kassierte. Aber auch sonst muss sich Alex Kristan, 55 geworden, viel wundern, wenn er das Damals mit dem Jetzt vergleicht. Sein fünftes Solo, das im Globe Premiere hatte, ist aber kein sentimentaler Rückblick: Die G’schichteln aus der Jugend decouvrieren die Gegenwart. Die Politik lässt er aus, Kristan beschäftigt sich mit der Gesellschaft: In „Born to be Child“ darf sich jeder ertappt fühlen.

Als wacher Geist, der in T-Shirt und Cargohose authentisch einer aus dem Volk ist (und diesem aufs Maul schaut), fühlt er sich verpflichtet, Stellung zu nehmen: Vor der Zugabe gibt es fast so etwas wie eine Moralpredigt – etwa über die neue Kriegseuphorie und das Fehlen von Respekt. Die klaren Worte unterscheiden ihn von den anderen Comedians.

Die Grundidee ist allerdings banal: Die Männer hätten das Kind in sich erhalten. Nur die Spielzeuge – von der Barista-Kaffeemaschine über die Drohne mit Wurzelbehandlungsklang bis hin zur Harley Davison – seien teurer geworden. Dass man sich mit all den Statussymbolen lächerlich machen kann, illustriert Kristan anhand seiner Freunderln.

Die reine Vernunft

Höhepunkte sind die mit blühender Fantasie angereicherten Erzählungen über Amsterdam-Reisen: die eine in der Schulzeit (mit Coffeeshop-Erfahrung), die andere mit der WhatsApp-Gruppe AWM (steht für „alte, weise Männer“), die ob ungezügelten „Daydrinkings“ im Bus zum Flughafen noch vor dem Abheben scheiterte. Fazit: „Wer tschechat, bleibt in Schwechat.“ Der Andi trinkt Bier nun „schaumgebremst“.

Natürlich spielt Ehefrau Elke wieder eine wichtige Rolle (als reine Vernunft), natürlich geht das Hickhack der Geschlechter weiter (bei Kristan gibt es nur zwei): Sie nimmt den ersten Parkplatz, er den besten (und muss öfters im Kreis fahren). Den Stimmenimitator jedoch hat er zurückgenommen: Er kommentiert gerade einmal mit Prüller, Lauda und Berger einen kapitalen Unfall mit dem Opel Kadett, einen Kurzauftritt hat Rudi Carrell.

  KHM und Albertina: Viele Bewerbungen für die Geschäftsführungen

Zum Schluss gibt es einen hinreißenden Talk über den Longevity-Trend mit den Fußballer-Legenden. Und den weisen Ratschlag: „Sorgen Sie für eine schöne Gegenwart – auf sie werden Sie später zurückblicken!“

KURIER-Wertung: 4 Sterne (von 5)

…read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.